Miss Universum: Aschenputtels Aufstieg - DER SPIEGEL
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Miss Universum Aschenputtels Aufstieg

Ihre Lebensgeschichte liest sich wie ein modernes Märchen: Natalie Glebova, frisch gekürte Miss Universum, kam als russisches Einwanderer-Kind nach Kanada. Armut bestimmte ihre Jugend. Doch sie schaffte das Unglaubliche - und stieg auf zur schönsten Frau der Welt.
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Bangkok - Als ihr die glitzernde Diamantenkrone aufs dunkle Haar gesetzt wird, glänzten Freudentränen in den blauen Augen der schönsten Frau der Welt. Für Natalie Glebova wurde mit der Wahl zur Miss Universum im thailändischen Bangkok mehr wahr als nur ein Mädchentraum. Für die russischstämmige 23-Jährige, die vor elf Jahren mit ihrer Familie ins kanadische Toronto ausgewandert war, hat sich mit dem Titelgewinn die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in der Fremde erfüllt. Nun ist sie als Miss Universum 2005 nicht nur das Schönheitsideal unzähliger Frauen, sondern auch Traumfrau zahlloser Männer.

In einer fließenden weißen Seidenrobe, die Pfauenfedern nachempfundene Tiara im Haar, genoss Glebova heute die Ovationen der Zuschauer. Dann zog sie ihre gerührten Eltern auf die Bühne. "Auszuwandern gibt Menschen wie mir und meiner Familie eine Chance, ein neues Leben zu beginnen", rief die frisch gekürte Miss Universum dem Saal zu. "Als wir vor elf Jahren nach Kanada gingen, kamen wir mit leeren Händen. Heute haben wir so viel. Die Kanadier haben mich als eine der ihren in ihrer Mitte aufgenommen", dankte die Motivationstrainerin ihrer Wahlheimat. Atemlos sagte sie, ihr Erfolg könne eine Inspiration für Immigranten auf der ganzen Welt sein. Mit ihrer neuen Popularität als schönste Frau des Universums will Natalie Glebova in den kommenden Monaten Geld für den Kampf gegen Aids sammeln.

Auch Deutschland hatte eine Immigranten-Tochter ins Rennen geschickt. Die türkischstämmige Asli Bayram schaffte es trotz Katzenaugen und Traumfigur zwar nicht ins Finale, braucht sich um ihre Zukunft aber trotzdem keine Sorgen zu machen. Die 24-Jährige studiert sehr erfolgreich in Frankfurt am Main Jura, Politik und Japanisch.

Es war noch mitten in der Nacht, als 81 Schönheiten vor zwölf Preisrichtern antraten. Die Miss-Wahl, eine Veranstaltung des US-Fernsehsenders NBC und des US-Immobilienmoguls Donald Trump, ist vor allem ein Fernsehereignis: Die Millionen Zuschauer in den USA und Lateinamerika sollten den 54. Wettbewerb trotz Zeitverschiebung live am Abend zur besten Sendezeit verfolgen können.

Also präsentierten die Grazien eben schon am frühen Morgen auf der Bühne ihre Reize vor den rund 5000 begeisterten Gästen. Bei den langen Abendroben dominierte in diesem Jahr schillerndes Gold, die Cocktailkleider der Damen waren rot, blau und tief ausgeschnitten. Weiße Bikinis unterstrichen den mediterranen Teint der überwiegend brünetten Schönheitsköniginnen. Unter den letzten fünf Finalistinnen waren auch die ursprünglich favorisierten Miss Puerto Rico Cynthia Olavarria und Miss Venezuela Monica Spear. Sie landeten auf Platz zwei und fünf. Drittschönste wurde Miss Dominikanische Republik Renata Sone vor Miss Mexiko Laura Elizondo.

Glebova gewann die Herzen von Juroren und Zuschauern durch den geschickten Einsatz ihres Charmes. Hingerissen sah das Publikum, wie sie die Hände zum traditionellen thailändischen Gruß zusammenlegte und "Danke" auf Thailändisch hauchte. Sie freue sich unglaublich auf das vor ihr liegende Jahr, strahlte sie nach dem Sieg. Gekrönt wurde Glebova von ihrer Vorgängerin, der Australierin Jennifer Hawkins.

Einen Moment der Stille erlebte die Gala, als die Zuschauer der über 200.000 Toten der Flutwellen-Katatstrophe in Asien vor fünf Monaten gedachten. Von den Zuschauerrängen leuchtete ein Kerzen-Meer, das Publikum hatte für eine Gedenkminute kleine Lichter entzündet.

Thailands Ministerpräsident Thaksin Shinawatra sagte, die umgerechnet über fünf Millionen Euro Kosten seien für das Gastgeberland eine lohnende Investition gewesen, weil der Wettbewerb gute Werbung sei. "Dies wird sich positiv auf den Tourismus auswirken", sagte Shinawatra. Der Politiker hatte eigens eine Kabinettssitzung verschoben, um bei der Kür der Schönsten der Schönen dabeizusein. Bei der Siegerehrung lächelte Shinawatra stolz zu Natalie Glebova hinauf - die Miss Universum 2005 ist einen guten Kopf größer als er.

Michael Mathes, afp