Miss-Verständnis Schöne Frauen nur in Indien?
Neu-Delhi - Im Dezember war Yukta Mookhey zur Miss Welt gekrönt worden. Inderinnen hätten damit den letzten Miss-Wettbewerb des alten und den ersten des neuen Jahrtausends gewonnen, hoben indische Medien hervor. "Lara verteidigt die Show und stiehlt sie den anderen", titelte die Zeitung "Indian Express". "Toll, dass sie es geschafft hat - aber wie machen das die Inderinnen bloß?", fragte Software-Experte Anand Mohan in Neu-Delhi.
Die Redakteurin Poonam Saxena begründet den Erfolg Duttas und Mookheys mit dem Modernisierungsschub seit 1990: "Inderinnen sind ja nicht plötzlich schöner geworden", meint Saxena. "Dass Inderinnen solche Wettbewerbe gewinnen, zeigt doch, dass die Welt uns jetzt mit anderen Augen sieht. Nicht, dass Dutta nicht wirklich gut wäre. Aber das Image des Landes spielt eben auch eine Rolle."
Andere hegten den Verdacht, die beiden Titel hingen mit dem Wunsch internationaler Kosmetikkonzerne zusammen, den indischen Markt zu erobern. Manpreet Brar, eine Ex-Miss-Indien, wies den Vorwurf zurück: "Wenn Sie die Kandidatinnen ohne Schärpe gesehen hätten, wäre trotzdem klar gewesen, wer die Krone bekommt."
Da die Eltern Duttas in Zypern waren, stürmten Journalisten das Haus ihrer Schwester Sabrina in Bangalore. "Mein Vater hatte andere Pläne für seine Töchter", bekannte Sabrina. Laras Trainer, ihre Kosmetikerin und ihre Diätberaterin meldeten sich zu Wort, und die "Times of India" wies darauf hin, viele indische Schönheitsköniginnen seien Offizierstöchter - das habe ihnen Disziplin mitgegeben.
Ashutosh Rane von der rechten Hindu-Partei Shiv Sena meinte, der Titel sei für Indien kein Grund, stolz zu sein. Duttas Ankündigung, sie wolle etwas für die Ausbildung von Mädchen in ihrer Heimat tun, bezweifelte er. "Schauen Sie sich frühere Schönheitsköniginnen an - hat jemals eine wirklich etwas für die Gesellschaft getan?"
Saxena ist dagegen sicher, dass der Titel für Dutta wie auch für Indien ein Gewinn sei. "Für die Siegerin ist der Titel ein Ticket für Ruhm und Geld. Und die Welt erfährt einmal mehr, dass Indien nicht nur aus Maharadschas, Schlangenbeschwörern und Fakiren besteht."
Der Zufall wollte es jedoch, dass in Indien dieser Tage noch eine zweite junge Frau Schlagzeilen machte und damit ins Bewusstsein rief, dass die Modernisierung längst nicht die ganze Gesellschaft erfasst hat. Die 22 Jahre alte Jyoti wurde in Neu-Delhi von ihrem Mann und ihren Schwiegereltern zwei Jahre lang eingekerkert und misshandelt, weil ihre Familie die geforderte Mitgift nicht gezahlt hatte.
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