Missbrauchprozess: "Das waren ihre Fantasien" - DER SPIEGEL
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Missbrauchprozess "Das waren ihre Fantasien"

Jahrelang soll Hans-Dieter Meyer die damals minderjährige Tochter seiner Lebensgefährtin missbraucht haben. Nun muss sich der Mann, der einer der bekanntesten Verbraucherschützer Deutschlands ist, vor Gericht verantworten. Zu Prozessauftakt machte der Beschuldigte das Mädchen verantwortlich.
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Itzehoe - Der ehemalige Geschäftsführer des Bundes der Versicherten (BdV), Hans-Dieter Meyer, räumte am Donnerstag vor dem Landgericht Itzehoe ein, die Tochter seiner Lebensgefährtin missbraucht zu haben. Allerdings, so verteidigte sich der 65-Jährige, sei er lediglich auf die sexuellen Wünsche der heute 18-Jährigen eingegangen. Meyer räumte ein, von den sexuellen Handlungen auch Videos - unter anderem in Büroräumen des BdV - gedreht zu haben. "Das waren ihre Fantasien", behauptete Meyer. "Sie ist mit Sicherheit nicht der Unschuldsengel." Schon als 13-Jährige habe das Mädchen mit ihm geflirtet. "Die sexuelle Beziehung zu ihr begann, als sie 14 war", sagte er. "Sex zu dritt", wie es die Staatsanwaltschaft Meyer und seiner mitangeklagten Lebensgefährtin vorwirft, habe es aber nicht gegeben.

Als Beweis für seine Version übergab der Angeklagte den Ermittlungsbehörden eine Video-Kassette, auf der er einige selbst gedrehte Szenen zusammengeschnitten hatte. Die Originale habe er zwischenzeitlich vernichtet, sagte er. Angeblich soll durch das Band deutlich werden, dass ihn das Mädchen verführt habe. Zugleich stellt Meyer die Anzeige, die das Mädchen gegen ihn und seine Lebensgefährtin erstattet hat, als eine Art Rache dar. Das habe sie wegen eines Familienstreits getan, sagte Meyer. "Weil wir sie rausgeschmissen haben."

Staatsanwalt Wolfgang Zepter sagte, Meyers Darstellung sei unglaubwürdig. Er könne nicht verstehen, warum jemand, der Recht und Ordnung über alles stelle, auf die sexuellen Fantasien eines jungen Mädchens angesprungen sei und ständig zur Verfügung stand. Das übergebene Video bezeichnete er als ein manipuliertes Beweismittel. "Diese Auswahl sieht aus wie ihre Verteidigungsstrategie."

Die 49-Jährige Mitangeklagte, die sich während eines Frankreich-Urlaubs an ihrer Tochter vergangen haben soll, wies die Vorwürfe zurück. Sie habe von der Beziehung Meyers zu ihrer Tochter erst durch die Anzeige erfahren. Da habe sie auch zum ersten Mal von den Sex-Videos gehört.

Die Vernehmung der jungen Frau fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.