Missbrauchsprozess: Jackson als Zuschauer vor Gericht - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Missbrauchsprozess Jackson als Zuschauer vor Gericht

Michael Jackson, der unter dem Verdacht des Kindesmissbrauchs steht, hat in Begleitung seiner Familie die Anhörung des Staatsanwalts Tom Sneddon vor Gericht besucht. Jacksons Anwälte wollten den Staatsanwalt wegen seiner Ermittlungsmethoden ins Kreuzverhör nehmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Santa Maria - Jackson kam in Begleitung seiner Eltern, seiner Schwestern Janet und LaToya und seines Bruders Jermaine. Knapp hundert jubelnde Fans begrüßten den ganz in Weiß gekleideten einstigen "King of Pop" bei seiner Ankunft vor dem Gerichtsgebäude. Einige zeigten Plakate mit der Aufschrift "Jackson ist unschuldig".

Staatsanwalt Sneddon will Jackson erklärtermaßen wegen Kindesmissbrauchs für Jahre hinter Gitter bringen. Bei der Anhörung vor Gericht sollte er sich zu den Umständen einer von ihm geleiteten Durchsuchungsaktion bei dem Privatdetektiv Bradley Miller äußern. Dieser hatte für Jacksons Anwälte gearbeitet.

Jackson Anwälte werfen dem Staatsanwalt vor, dieser habe mit der Durchsuchung das Vertraulichkeitsprivileg verletzt, das Anwälte und ihre Mandanten sowie die für sie tätigen Ermittler genießen. Zudem beschuldigen sie Sneddon, bei der Durchsuchung illegal Beweismaterial an sich gebracht zu haben. Sollte dies bestätigt werden, könnte Sneddon nach Angaben von Beobachtern seine wichtigsten Belastungsindizien verlieren. Jackson hatte zuvor mehrfach erklärt, er sehe sich als Opfer einer von Sneddon angezettelten Verschwörung.

In amerikanischen Medien wurde Jacksons Teilnahme an der Anhörung vor Gericht als Teil einer PR-Offensive bezeichnet, da der Popstar eigentlich nicht hätte anwesend sein müssen. Der Gerichtstermin war von seinen Anwälten durchgesetzt worden.

Sneddon hatte bereits vor mehr als zehn Jahren in einem anderen Fall vergeblich versucht, Jackson wegen des angeblichen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen ins Gefängnis zu bringen. Im Rahmen der damaligen Ermittlungen hatte er durchgesetzt, dass Jackson zur Beweisfindung seine Genitalien fotografieren lassen musste.

Im jetzigen Verfahren wird dem 45-jährigen Sänger unter anderem zur Last gelegt, einen Jungen mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell missbraucht zu haben. Jackson befindet sich gegen eine Kaution von drei Millionen Dollar auf freiem Fuß. Der Beginn des eigentlichen Prozesses wurde auf den 31. Januar terminiert.

Mehr lesen über