Missbrauchsprozess: Michael Jackson will aussagen - DER SPIEGEL
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Missbrauchsprozess Michael Jackson will aussagen

Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte US-Popstar Michael Jackson wird selbst zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung nehmen. Jacksons Chef-Anwalt Tom Mesereau kündigte gegenüber den Geschworenen an, sie würden von Jackson persönlich dessen Version des Falles hören.
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Santa Maria - Mesereau legte damit am zweiten Tag der Eröffnungsplädoyers die Vermutung nahe, dass der 46 Jahre alte Musiker selbst in den Zeugenstand treten könnte. Angeklagte sind nicht verpflichtet, vor Gericht auszusagen. Juristen hatten damit gerechnet, dass Jackson dies auch nicht tun würde, um nicht von den Anklägern ins Kreuzverhör genommen zu werden.

Mesereau hatte im Vorfeld betonte, im Schlafzimmer des Popstars seien keinerlei DNS-Spuren gefunden worden, die den Vorwurf des Kindesmissbrauchs belegten. Ferner stellte er die Glaubwürdigkeit der Frau in Frage, dessen Sohn von dem Popstar sexuell misshandelt worden sein soll. Sie wolle nur möglichst viel Geld für sich herausschlagen, sagte Mesereau und wies die Anklagepunkte gegen seinen Mandanten als falsch zurück.

Gestern hatte Staatsanwalt Thomas Sneddon Jackson ein "merkwürdiges Sexualverhalten" vorgeworfen. Nach den fast dreistündigen Ausführungen der Anklage erklärte Mesereau vor dem Gericht im kalifornischen Santa Maria, die Mutter des Jungen habe betrügerisch behauptet, mittellos zu sein und Geld für die Krebstherapie ihres Kindes zu benötigen. Tatsächlich sei der Vater des Jungen aber krankenversichert gewesen, so dass die Behandlung finanziell abgesichert gewesen sei.

Ihr eigener Anwalt habe dem CNN-Entertainer Larry King gegenüber erklärt, dass die Frau auf Geld aus sei. Sie habe auch andere Prominente um Hilfe für ihren Sohn gebeten, sei aber abgewiesen worden. "Der verwundbarste Prominente wurde dann zur Zielscheibe, Michael Jackson", sagte der Anwalt.

Er führte ferner aus, dass die Kinder auf Jacksons Ranch große Freiheiten genossen hätten. So hätten sie durchaus auch im Bett des Popstars herumgetobt und ohne Erlaubnis dessen Alkohol konsumiert. Mesereau räumte ein, dass Jackson gelegentlich pornografische Magazine lese, was jedoch nicht verboten sei. Er habe diese stets weggeschlossen, doch die Kinder hätten sie eben gefunden. Auf jeden Fall aber seien im Schlafzimmer des Popstars keine Hinweise auf irgendwelche sexuellen Handlungen mit dem in der Klageschrift genannten Jungen gefunden worden.

Als nächstes wurde der britische Fernsehjournalist Martin Bashir als erster Zeuge aufgerufen. In dessen Fernsehdokumentation "Living with Michael Jackson" hatte der Sänger erstmals eingeräumt, häufiger mit Kindern in einem Bett zu schlafen. Vor der Vernehmung Bashirs wurde sein Film den Geschworenen vorgespielt.

Staatsanwalt Sneddon hatte am Montagabend erklärt, Jackson habe seinem damals 13-jährigen Opfer Alkohol und pornografische Bilder aufgezwungen. In einem Fall habe er dem Jungen in die Unterhose gegriffen und dabei selbst onaniert. Bei Durchsuchungen von Jacksons Neverland-Ranch waren pornografische DVDs und Zeitschriften aufgetaucht, die zum Teil Fingerabdrücke von Jackson und dem heute 15 Jahre alten Jungen aufwiesen. Ein Angestellter Jacksons hat dem Krebspatienten laut Anklage später mit der Ermordung seiner Mutter gedroht, wenn er nicht schweige.

Vor den Eröffnungsplädoyers hatte Richter Rodney Melville die 28 Anklagepunkte verlesen und dabei erstmals auch die Namen der fünf Mitangeklagten genannt, die Jackson bei der Verschwörung zur Verführung des Jungen geholfen haben sollen. Alle sind Mitarbeiter des "King of Pop".

Tim Molloy, AP

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