Missbrauchsprozess: Nachfahren der "Bounty"-Meuterer schuldig gesprochen - DER SPIEGEL
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Missbrauchsprozess Nachfahren der "Bounty"-Meuterer schuldig gesprochen

Wegen sexuellen Missbrauchs sind sechs von sieben angeklagten Nachfahren der Meuterer von der "Bounty" jetzt schuldig gesprochen worden. Unter ihnen ist auch der Bürgermeister der Pazifikinsel Pitcairn, Steve Christian.
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Wellington - Wie der australische Rundfunksender ABC heute meldete, sah das britische Gericht es als erwiesen an, dass der Bürgermeister - ein Nachfahre von Fletcher Christian, dem Anführer der Meuterer von der "Bounty" - fünf junge Mädchen zum Sex gezwungen hat. Auch der Sohn des Inseloberhaupts, Randy, wurde schuldig gesprochen: Ihm werden vier Vergewaltigungen zur Last gelegt.

Auch ein heute 78-Jähriger soll mehrfach Frauen vergewaltigt haben. Drei weitere Angeklagte wurden minderschwerer sexueller Vergehen für schuldig befunden, lediglich einer wurde freigesprochen. Das Strafmaß soll im Laufe der Woche verkündet werden.

Die angeklagten Männer hatten behauptet, Sex mit Minderjährigen sei eine Tradition auf der Insel, die auf die Zeit zurückgehe, als die Meuterer mit ihren tahitianischen Frauen an Land gegangen seien. Die per Video aus Neuseeland zugeschalteten Zeuginnen der Anklage sagten jedoch aus, sie seien als Mädchen wie "Sexspielzeug" behandelt und nach Belieben vergewaltigt worden. Einige noch auf Pitcairn lebende Frauen verteidigten ihre Männer in der Öffentlichkeit und wiesen den Vorwurf des Missbrauchs von Minderjährigen zurück. Sie erklärten, sie hätten zwar sehr früh Sex gehabt, dies aber freiwillig.

Die Verteidiger der Männer haben jetzt Rechtsmittel gegen das Verfahren an sich eingelegt. Sie stellen die Rechtmäßigkeit der britischen Rechtshoheit über Pitcairn in Frage. Über diese Frage soll im kommenden Jahr in einem weiteren Prozess entschieden werden.

Mit den insgesamt sieben Angeklagten musste sich rund die Hälfte der männlichen Erwachsenen Pitcairns vor Gericht verantworten. Auf dem zu Großbritannien gehörenden Eiland, auf halbem Weg zwischen Neuseeland und Südamerika gelegen, leben nur 48 Menschen. Britische Staatsanwälte hatten den Angeklagten mehr als 50 Missbrauchsfälle zur Last gelegt, von denen manche bis zu 40 Jahre zurückreichen.

Fletcher Christian war im Januar 1790 mit acht weiteren Meuterern, sechs Männern und zwölf Frauen aus Tahiti sowie einem Kind auf der Flucht vor der britischen Justiz in Pitcairn an Land gegangen. Bei ihrem Aufstand im Jahr zuvor hatte ein Teil der "Bounty"-Besatzung Kapitän William Bligh mit ein paar Getreuen und wenigen Vorräten mitten im Pazifik ausgesetzt.