Misshandelter Berufsschüler: Staatsanwalt ermittelt gegen Lehrer - DER SPIEGEL
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Misshandelter Berufsschüler Staatsanwalt ermittelt gegen Lehrer

Schulleiter Sölter hat seine Kollegen immer wieder in Schutz genommen. Er wollte sich einfach nicht vorstellen, dass einer von ihnen gewusst haben soll, dass ein Schüler monatelang von Klassenkameraden gequält und gedemüdigt wurde. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft gegen einen der Lehrer Ermittlungen aufgenommen.
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Hildesheim - Das 17-jährige Opfer hatte ausgesagt, der Lehrer der Klasse habe "immer nur an seinem Tisch" gesessen, während er nebenan im Materialraum gequält und gedemütigt wurde. Dass jetzt gegen den Lehrer ermittelt wird, zeigt zumindest, dass ein Anfangsverdacht besteht.

Ein Sprecher der Justizbehörde sagte, der Werklehrer habe möglicherweise die Gewalttaten seiner Schüler beobachtet oder "zumindest wahrgenommen". Damit bestehe der Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung.

Das niedersächsische Kultusministerium leitete zudem Vorermittlungen zu einem Disziplinarverfahren gegen den angestellten Lehrer ein. Zunächst sei ein Gespräch mit dem Pädagogen und der Schulleitung der Hildesheimer Berufsschule anberaumt worden. Der Werklehrer war erst vor einem halben Jahr aus der Berufspraxis an die Hildesheimer Schule gewechselt. Man müsse bei den Ermittlungen allerdings berücksichtigen, dass man die 16- und 17-jährigen Berufsschüler nicht wie Grundschulkinder die ganze Zeit im Auge behalten könne.

Fünf Mitschüler des misshandelten Jungen befinden sich nach wie vor wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung in Untersuchungshaft. Wegen des gleichen Vorwurfs wird auch gegen sechs weitere Schüler der Werner-von-Siemens-Schule ermittelt.

Der Hildesheimer Fall hatte für bundesweites Entsetzen gesorgt: Danach soll eine ganze Klasse einen 17-jährigen Mitschüler über 17 Wochen hinweg geschlagen, gequält und gedemütigt haben. Die Misshandlungen sollen fotografiert und gefilmt worden sein, um sie später ins Internet zu stellen.