Mode in Paris Und ewig lockt der Gartenschlauch
Paris - Ein rauschendes Fest aus Modenschauen, Kunstausstellungen und der Eröffnung des größten Louis-Vuitton-Geschäftes soll den Anspruch Paris' als die Hauptstadt der Mode unterstreichen. Globale Kultmarken wie Dior, Chanel und Yves Saint Laurent zeigen ihre Damen-Kollektionen für das kommende Frühjahr im frisch restaurierten Ausstellungstempel Grand Palais - das Kulturministerium macht's möglich. Inmitten des Rummels werden aber auch junge Modeschöpfer aus dem Ausland wieder ihre Chance bekommen, ganz groß in das Geschäft einzusteigen.
Mode aus Paris: Einfarbig steht's am besten
Die ersten Tage der bis Sonntag dauernden Schauen gleichen zunächst einer Art "Warm Up" - unbekanntere Marken finden hier ihr Podium, bevor die großen Namen wie Gaultier, Chanel oder Dior ihren Auftritt haben. Und bisher sieht es so aus, als "wärmten" sich auch die Entwürfe erstmal auf.
Schmeichelnd, fließend, doch relativ unspektakulär - so sehen die Kleider für den kommenden Frühling aus. Designer Gaspard Yurkievich setzt auf knielange Kleider in Grau, Schwarz oder Pudertönen. Schmal im Oberteil und aufspringend ab der Taille, wirken die Entwürfe mädchenhaft. Auch das belgische Duo Filip Arickx und An Vandevorst (AF Vandevorst) bleibt meist bei Einfarbigkeit.
Theatralischer wirken die Entwürfe des holländischen Duos Viktor & Rolf, die bei Insidern immer mehr zu Modestars avancieren. Den Song "Upside Down" nahmen sie sich für ihre Schau gestern Abend zum Motto, um Kleider kopfüber zu zeigen. Beim Satinkleid im goldigen Cremeton dient der weite Rock als blusenartiges Oberteil, während das Trägerhemdchen zum Rock verwandelt wird. Zwei Wäschekleider sind übereinander genäht, und der Trenchcoat wirkt irgendwie falschherum. Dazwischen waren dann allerdings wieder allerlei "normale" Kleider zu sehen, oft im Lingerie-Look, oder als schwarzes Cocktailkleid.
Der Japaner Yohji Yamamoto inspirierte sich für seine Frühjahrskollektion bei der Männermode, doch selbst diese blies er noch zu neuen Dimensionen auf. Ein Schwalbenschwanz wurde zur Schleppe, riesige Hemdmanschetten und Krägen lugten unter nicht minder großen Jacken hervor. Yamamoto, der den Auftakt der allherbstlichen Prêt-à-porter-Schauen für die kommende Frühjahr- und Sommersaison machte, gilt als Meister der "Dekonstruktion" - er zerlegt klassische Kleidungsstücke und setzt sie neu wieder zusammen, mit neuen Formen, anderem Volumen und oftmals mit mehreren Stoffschichten.
Mode und Kunst
Dabei fehlt dem japanischen Designer auch nicht der Sinn für Humor, verzierte er doch diesmal ein schwarzes Kleid mit einer Art Gartenschlauch. Sehr viel klassischer ging es da schon beim Amerikaner Rick Owens zu, dessen fließende Jerseykleider millimetergenau am Körper anliegen. Bei den Materialien dominierten Leder, Schlangenleder oder Haifischhaut, ein enganliegendes Lederkleid war über und über von winzigen Löchern durchbrochen.
Dass Kunst und Kommerz zusammengehören, wollen bei den diesjährigen Herbstschauen gleich zwei Luxuskonzerne unter Beweis stellen: Die weltweite Nummer eins der Branche, LVMH (Louis Vuitton-Moët-Hennessy), eröffnet nicht nur am 9. Oktober an den Champs-Elysées das weltweit größte Geschäft der Marke Vuitton, sie sponsert auch eine Ausstellung über Wiener Kunst. "Klimt, Schiele, Moser, Kokoschka. Wien 1900" läuft vom 5. Oktober bis 9. Januar im Grand Palais. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Die Luxusgruppe Pinault-Printemps-Redoute (PPR), die Marken wie Yves Saint Laurent in ihrem Portefeuille führt, finanziert ihrerseits eine Ausstellung über die französische Kunstbewegung "Dada" im Centre Pompidou (ebenfalls vom 5. Oktober bis 9. Januar).
Etwas abseits des Rummels können Fans sich diesmal in aller Ruhe mit zeitloser Mode beschäftigen: Im Gebäude der Yves-Saint-Laurent-Stiftung wird eine Ausstellung über den Smoking gezeigt, ein Kleidungsstück, das den legendären Designer Zeit seines Lebens faszinierte. Und in den Galerien des Palais-Royal herrscht "Der Geist Diors", eine Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstages von Christian Dior.