Modegeschäft Business as usual bei Moshammer
München - Fast könnte man meinen, es sei nichts passiert: Wenige Stunden nachdem sich die Nachricht vom Tod Rudolph Moshammers wie ein Lauffeuer in der bayerischen Landeshauptstadt verbreitet hat, betreten immer wieder betucht aussehende Kunden die Boutique des schrillen Modezaren in der noblen Maximilianstraße 14 - wie an einem ganz gewöhnlichen Freitag. Ungeachtet der neugierigen Blicke von Dutzenden Schaulustigen und Journalisten, die sich vor "Mosis" Laden eingefunden haben, lassen sich einige Kunden nicht von ihrer Shopping-Tour abbringen.
Als ein Verkäufer direkt neben einem von brennenden Kerzen gesäumten Bild von Moshammer und seiner vor mehreren Jahren verstorbenen Mutter fliederfarbene Krawatten ausbreitet, wird vor dem Schaufenster empörtes Tuscheln laut. Als sogar eine der Kerzen weichen muss, um Platz auf der Theke zu schaffen, kann sich eine Passantin nicht mehr zurückhalten: "Das ist doch wirklich pietätlos", schimpft sie. Er habe "ja wirklich eine todschicke Krawatte" erstanden, zischt sie dem Kunden hinterher, als dieser den Laden wortlos verlässt. Moshammer sei "halt ein Geschäftsmann - auch über seinen Tod hinaus", kommentiert eine andere Passantin das Geschehen.
Im Laufe des Tages wird "Mosis" Laden immer mehr zu einer Pilgerstätte. Passanten und Anrainer legen Blumen vor dem Eingang nieder. "Wir sind erschüttert!", heißt es in einer Karte, die "seine Nachbarn von der Opernkasse" einem Strauß roter Amaryllis beigelegt haben. Angela Wenzel von einer benachbarten Nobel-Boutique bringt einen großen Strauß weißer Rosen "als letzten Gruß" vorbei. Aber auch Personen, die Moshammer nur vom Sehen gekannt haben, reagieren erschüttert auf seinen Tod: "Das ist ein schmerzlicher Verlust für die ganze Stadt", sagt Katharina Redmann, als sie zusammen mit zwei kleinen Kindern eine Rose niederlegt.
Inzwischen ist der Menschenauflauf so groß, dass die Polizei den Gehweg vor Moshammers Laden mit einem Band absperrt. "Wir wollen, dass der normale Durchgangsverkehr gewährleistet ist", begründet ein Polizist die Maßnahme. Selbst Autofahrer werden langsamer, als sie an der Boutique vorbeifahren.
Vor Schluchzen kaum sprechen kann Irma Berger, als sie herbeigeeilt kommt. Sie habe "alles liegen und stehen lassen", als sie von der Ermordung Moshammers gehört habe, presst sie mühsam hervor. "Ich habe einfach alles an ihm geschätzt", begründet sie ihr Kommen, "seine Mode, seine Art, sein Auftreten und sein Engagement für Obdachlose".
Ein obdachloser Mann, der vor dem Nationaltheater auf der Straße sitzt, sieht das schon kritischer: "Ohne Kamera hat der gar nix gemacht", ist er überzeugt. Moshammer sei zwar täglich an ihm vorbeigekommen, habe ihm aber "noch nicht einen Cent gegeben". Das ist aber auch der einzige kritische Kommentar, der in der Maximilianstraße zu hören ist.
Einig sind sich die Passanten nicht nur, was "Mosis" Einzigartigkeit angeht. Immer wieder fällt auch der Satz: "Dass er auf diese Weise sterben musste, hat er nicht verdient." Moshammer habe doch niemanden gestört, ist der Schüler Jannes überzeugt, der zusammen mit einer Schar Mitschüler vom nahe gelegenen Wilhelms-Gymnasium gekommen ist, und erntet dafür zustimmendes Nicken. Jetzt bewegt die Anwesenden vor allem ein Thema: "Was wird aus Daisy?"
Ursula Quass, ddp