Moderne Monarchie Prinz William soll nicht dienen
London - Zurzeit studiert die Nummer zwei in der britischen Thronfolge Kunstgeschichte an der schottischen Universität St. Andrews. Doch schon im nächsten Jahr wird der 22-Jährige seine Ausbildung voraussichtlich beenden. Seine Zukunftspläne hat der Prinz bereits klar definiert: "Eine Karriere bei den Streitkräften wäre im Moment das Richtige."
Einer solchen Berufswahl würden allerdings weder seine Untertanen noch die Mitglieder des britischen Verteidigungsministeriums zustimmen. Obwohl William mit seinem Herzenswunsch traditionsgemäß in die Fußstapfen seines Großvaters Prinz Philip und seines Vaters Prinz Charles treten würde, mehren sich kritische Stimmen. Der britischen Tageszeitung "Guardian" wurde jetzt ein US-Geheimdienstbericht zugespielt, in dem es heißt, die Öffentlichkeit sei von des Thronfolgers "Schwäche für den Militärdienst" wenig begeistert.
Kriegsdienstanwärter: Prinz William will an die Front
Dem Bericht zufolge soll der zukünftige König sich besser an seiner verstorbenen Mutter orientieren und sein Leben humanitären Anliegen widmen. Dies sei auch im Sinne des Buckingham Palastes, der seit dem Tode Dianas vor sieben Jahren versuche, die Monarchie zu modernisieren und mehr auf die Öffentlichkeit einzugehen.
Aber auch auf höherer Ebene habe man in London Bedenken: "Das Verteidigungsministerium, insbesondere die Armee, hat gemischte Gefühle, den zukünftigen König von England in den eigenen Rängen zu haben", heißt es in dem Geheimdienstdokument. Die Armee sei nur zu vertraut mit der unerbittlichen öffentlichen Aufmerksamkeit, die mit einer solchen Situation Hand in Hand geht. Auch die Aussicht, William vor unmittelbarer Gefahr bewahren zu müssen, ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, den Thronfolger zu verwöhnen oder anders zu behandeln als seine Kameraden, ist für die britischen Militärs offenbar wenig verlockend.
Der Geheimdienstreport war bereits 1999 verfasst worden, nachdem eine Boulevardzeitung bekannt gegeben hatte, William trage sich mit dem Gedanken, in ein Fallschirmspringer-Regiment einzutreten. Williams Bruder, Prinz Harry, hat sich bereits für eine Militärkarriere entschieden. Vater Charles trat 1971 in die Royal Navy ein, kommandierte über fünf Jahre lang ein Schiff und ließ sich zum Piloten ausbilden. Williams Großvater Prinz Philip war 13 Jahre lang Navy-Kommandant. Prinz Andrew, der Bruder von Charles, blieb 22 Jahre bei der Navy und kämpfte im Falkland-Krieg.
Prinz William selbst hatte bereits Gelegenheit, sich auszuzeichnen: Im Kadettenkorps in Eton tat er sich hervor, in "Anerkennung seiner ausgezeichneten Leistungen" wurde ihm das "Sword of Honour" verliehen. Vor vier Jahren nahm er an Armee-Manövern im Dschungel von Belize teil.