Moderne Mythen Der legendäre Tote im Rumfass
Hamburg - Auch SPIEGEL ONLINE war auf die Legende hereingefallen und hatte darüber berichtet. Reuters hat die Meldung vom 4. Mai inzwischen zurückgezogen. Der Nachrichtenagentur zufolge hat sich der Vorfall allerdings tatsächlich ereignet: Laut Polizei hatten die Arbeiter die Entdeckung bereits vor zehn Jahren gemacht. Geschildert werde der Vorfall in einem nicht näher genannten Polizei-Magazin im Internet.
Eine Datenbank im Internet, die moderne Mythen, sogenannte Urban Legends, sammelt, hat hingegen andere Informationen: Die Geschichte kursiere in verschiedenen Versionen schon seit Jahrhunderten, heißt es auf der Website "snopes.com". Dort sind mehrere Beispiele zu finden, wie Menschen zufällig Tote in Spirituosenfässern finden. Auch die Variante mit dem Rumfass ist dort archiviert, allerdings in einer leicht veränderten Umgebung und mit anderen Personen.
Solche Sagen der Großstadt haben oft einen wahren Kern, werden meist mündlich, aber auch per E-Mail, über manipulierte Bilder oder Filmchen weiterverbreitet. Eins der bekanntesten Beispiele ist die "Spinne in der Yucca-Palme". So lautet auch der Titel des ersten Buches einer ganzen Reihe, die der Ethnologe Rolf Wilhelm Brednich zusammengestellt hat. Wie die Schauermärchen von früher warnen Urban Legends, teils mit drastischen Schockeffekten, vor Gefahren des Alltags.
Laut "snopes.com" ist die Moral der "Rumfass"-Geschichte einerseits die Mahnung, niemals etwas zu essen oder zu trinken, ohne genau hinzuschauen. Andererseits gehe es in einige Varianten der Legende auch darum, dass der Tote dadurch Rache an verhassten Kontrahenten nehme, die ohne ihr Wissen Teile seiner Leiche konsumierten.
ffr