Monaco Fürst Albert II. will Moralhüter werden
Monaco - In der Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis in Monaco wurde Albert von Erzbischof Bernard Barsi gesegnet. Dazu kniete der neue Fürst in dunklem Anzug und Krawatte mit ernstem Gesicht am Altar nieder. Anschließend ergriff seine jüngere Schwester, Prinzessin Stéphanie, Alberts Hand. Daraufhin wandte sich der Fürst zu seiner älteren Schwester Caroline von Hannover und nahm auch sie bei der Hand. Schließlich führte der Erzbischof Albert zum Thron. In Monaco ist der römisch-katholische Glaube Staatsreligion.
"Wir danken dem Herrn dafür, dass er die Fortführung der Dynastie gesichert hat", sagte Barsi bei dem Hochamt in dem mit Alberts Wappen geschmückten Gotteshaus. Nun sollten sich alle um jenen sammeln, "der nunmehr das Fürstentum führt", betonte der Erzbischof und nannte Albert einen "Familienvater". Neben dem neuen Fürsten und seinen Schwestern saßen Carolines Mann Ernst August von Hannover sowie Rainiers Schwester Prinzessin Antoinette.
An der Messe nahmen mehrere hundert Monegassen und einige hundert Berichterstatter und Fotografen teil. Sie wurde über Großbildschirme nach draußen übertragen. Judith Pollati, eine von Dutzenden von Schaulustigen, bemerkt, sie habe Albert und seine Schwestern aufwachsen sehen. "Heute ist es ein wenig wie die Hochzeit eines Sohnes."
Inthronisierung: Monaco feiert neuen Herrscher Albert II.
Der 47-jährige Junggeselle hatte die Regentschaft bereits am 31. März übernommen, als Rainier im Sterben lag. Die Teilnahme an den über den ganzen Tag verteilten Feiern war Monacos Bevölkerung vorbehalten. Vertreter des europäischen Hochadels und andere Staatsgäste werden erst zur festlichen Krönung am 19. November erwartet.
Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hatte Alberts Vater Rainier vom Grimaldi-Palast aus seinen Zwergstaat an der Côte d'Azur regiert. Dabei baute er das Fürstentum zu einem florierenden Großunternehmen mit zweifelhaftem Ruf auf. Der "Felsen" Monaco um die Grimaldi-Familie wurde dank der Casinos zu einem Touristenmagneten. Ein laxer Rechtsrahmen für Geldgeschäfte lockte zwar Banken an, trug Monaco aber den hässlichen Ruf eines Geldwäscheparadieses ein. Alberts II. Pläne klingen wie ein Gegenprogramm: "Ich will Moral, Redlichkeit und Ethik in den Mittelpunkt stellen", versprach der neue Fürst in einem seiner ersten Interviews.
Der neue Stil gilt nicht nur für Monacos Regierung und das rege Wirtschaftsleben des zweitkleinsten Staates nach dem Vatikan, sondern auch für seine Durchlauchtigste Hoheit höchstpersönlich: Seit Mai konnte ihn die Weltöffentlichkeit auf Fotos beim Füttern eines kleinen Jungen bewundern, vergangene Woche bekannte sich Albert zu seinem nichtehelichen Sohn Alexandre. Die Lage sei "weder vorgesehen noch gewünscht" gewesen, sagte Albert, der aber seinen Vaterpflichten gegenüber dem bald zweijährigen Spross der ehemaligen Stewardess Nicole Coste nachkommen will.
Inzwischen schließt der langjährige Jet-Set-Prinz die Existenz weiterer Kinder nicht aus. Dem französischen Fernsehsender TF1 sagte der Monarch, es gebe "andere Personen mit ungefähr denselben Fällen". Er wisse von weiteren Anfragen auf Anerkennung der Vaterschaft; darauf werde er "zu gegebener Zeit" antworten. Das britische Blatt "Mail on Sunday" hatte zuletzt über die in Kalifornien lebende Amerikanerin Tamara Rotolo berichtet, die Albert nach ihren eigenen Angaben 1991 in Monaco getroffen hatte. Aus der Beziehung stammte demnach eine 1992 geborene Tochter.
Er habe die "etwas verlängerte Ehelosigkeit" mit einer "gewissen Freiheit" erlebt, gab der als Schwerenöter bekannte Albert zu. Dem lustigen Lotterleben will Albert aber nun offenbar ein Ende setzten: "Ich werde heiraten", beteuert der Fürst inzwischen. "Auch ich werde eine Familie gründen."