Morde von Overath Angeklagter spricht von "Exekutionen"
Köln - Seine Tat sei politisch motiviert gewesen, gab der 45-Jährige am Montag vor dem Kölner Landgericht zu Protokoll. Die Morde seien Teil eines "Befreiungskampfes" zum Umsturz des politischen Systems in Deutschland. Thomas A. war nach eigenem Eingeständnis wütend darüber gewesen, dass der Anwalt 10.000 Euro Mietrückstände von ihm eingefordert hatte.
Er hatte daraufhin im Oktober vergangenen Jahres den Rechtsanwalt, seine Ehefrau und seine Tochter mit einer geliehenen Pumpgun kaltblütig erschossen.
Jennifer D., seine Partnerin und Komplizin, bestritt, im Vorfeld von den geplanten Taten gewusst zu haben. "Hätte ich es gewusst, wäre ich damals nicht dabei gewesen, ich bin absolut gegen so was." Als sie kurz vor den Bluttaten in einem Baumarkt Kabelbinder kaufen sollte und nach dem Grund fragte, habe Thomas A. ihr "in einem SS-Ton" gesagt, sie solle nicht so viele Fragen stellen.
Dennoch gelobte die junge Frau ihrem Freund vor dem Blutbad in einem rechten Eid als "Volksdeutsche" der "Schutzstaffel" Treue, Tapferkeit und unbedingten Gehorsam bis in den Tod. Über die rechtsradikale Gruppe, die er leitete und mit der er nach eigenen Aussagen sowohl Attentate erprobte als auch eine "Todesliste" mit Namen von Politikern, Juristen und Medienvertretern erstellte, versprach sie, Stillschweigen zu bewahren.
"Ich habe mich nicht für die rechte Seite entschieden, sondern für Thomas A. als Mann", erklärte die Verkäuferin. Sie habe ihn "bewundert und toll gefunden", weil er eine "große Persönlichkeit" sei. Warum er die Morde begangen habe, wisse sie bis heute nicht.
Als der erste Schuss gefallen sei, habe sie Angst um ihr Leben gehabt. "Angst, dass mir etwas passieren könnte", so die Angeklagte. Mit tränenerstickter Stimme erzählte sie weiter, sie habe in der Anwaltskanzlei nicht verstanden, was passiert sei und könne sich heute nur noch an wenig erinnern.
Jennifer D. und Thomas A. waren nach der Tat zunächst in die Wohnung ihrer Eltern in Aachen gefahren. Danach hatten sie sich eine kleine gemeinsame Wohnung genommen. "Ich hab' versucht weiterzuleben und das Geschehene zu verdrängen", sagte Jennifer D. "Ich habe den Thomas geliebt, ich wollte nicht wahrhaben, dass er es war."
DNS-Spuren sowie Fingerabdrücke von ihr wurden sowohl an den Handfesseln neben einer der drei Leichen als auch an Patronenhülsen der Tatwaffe gefunden. Zu Beginn ihrer Aussage hatte die junge Frau noch erklärt, die Patronen niemals angefasst zu haben.
Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Mord aus niedrigen und heimtückischen Beweggründen. Ein Urteil wird für den 11. November erwartet.