Mordfall Ulrike Schlampereien im Vorfeld?
Potsdam - Bereits am 2. April seien entsprechende interne Untersuchungen eingeleitet worden, teilten Justizminister Kurt Schelter und Innenminister Jörg Schönbohm (beide CDU) am Samstag mit. Sollten nach Abschluss der Untersuchungen noch Fragen offen bleiben, müsse eine Arbeitsgruppe der Ministerien eingesetzt werden.
Die "Berliner Morgenpost" hatte am Samstag den Landesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Schuster, damit zitiert, "die Arbeitsweise der Justiz müsse in Frage gestellt werden". Der mutmaßliche Mörder Stefan Jahn sei trotz Bewährungsstrafe schon vor dem Mordfall wieder straffällig geworden. Nach einer Haftentlassung auf Bewährung sei er fünf Mal bei Straftaten wie etwa Autodiebstahl ertappt worden, hieß es in dem Blatt.
Die Minister verwiesen darauf, ein Widerruf der Aussetzung der Bewährungsstrafe falle in die richterliche Unabhängigkeit. Es habe keinen Hinweis darauf gegeben, dass Jahn ein Tötungs- und Sexualdelikt begehen würde.
Erst kürzlich hatte die Staatsanwaltschaft Vorwürfe von Fahndungspannen im Fall Ulrike zurückgewiesen. Schon Wochen vor der Festnahme des Verbrechers hatte es erste Hinweise auf Jahn gegeben. Der Staatssekretär im brandenburgischen Innenministerium, Eike Lancelle (CDU), sprach von "entschuldbaren Unebenheiten" bei der Fahndung.
Ulrike war am 22. Februar verschleppt, missbraucht und getötet worden. Zwei Wochen danach wurde ihre Leiche nach einer aufwendigen Fahndung gefunden. Ende März nahm die Polizei schließlich Stefan Jahn als mutmaßlichen Mörder fest. Der 25-Jährige hat die Tat gestanden.