Mordprozess Angeklagter Dorfbäcker schweigt
Heilbronn - Weder zu seinem Lebenslauf noch zum Tatvorwurf machte der 47-Jährige Angaben. Schon nach knapp 30 Minuten war deshalb der erste Verhandlungstag beendet.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem geschiedenen Bäckermeister vor, am 7. Oktober 2004 die Sparkassenfiliale in seinem Heimatort Siegelsbach in Baden-Württemberg überfallen und dabei eine 65-Jahre alte Kundin erschossen zu haben. Dem 66-jährigen Ehemann der Frau und einem 29 Jahre alten Bankangstellten soll er - ebenfalls in Tötungsabsicht - mit unfassbarer Brutalität lebensgefährliche Verletzungen zugefügt haben. Beide Opfer überlebten das Verbrechen nur äußerst knapp.
Die Verhandlung eines der spektakulärsten Raubmorde der vergangenen Jahre begann turbulent. Der größte Raum des Gerichts mit seinen rund 80 Sitzplätzen reichte bei weitem nicht aus, um das Interesse der Öffentlichkeit zu stillen. Viele Bewohner der 1700-Seelen-Gemeinde Siegelsbach waren nach Heilbronn aufgebrochen, um den Auftritt ihres ehemaligen Dorfbäckers persönlich zu verfolgen. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Bender musste einen Teil des Publikums vor die Tür schicken.
In Trachtenjacke wurde der angeklagte Jäger schließlich in den Gerichtssaal geführt. Aber lediglich seine Verteidigerin Anke Stiefel-Bechtdolf erhob das Wort. Mit scharfen Worten kritisierte sie die Boulevardpresse, die ihren Mandanten als "Sparkassen-Killer" längst vorverurteilt habe. Der Angeklagte sei als "Bestie" dargestellt worden, mokierte sie. "Wir werden das Verfahren objektiv durchziehen", erwiderte Richter Bender.
Tatsächlich hat der Angeklagte die Tat bislang bestritten. Er habe "definitiv" nichts damit zu tun, hatte er bei seiner Vernehmung durch einen Haftrichter angegeben. Die Ermittlungen von Kripo und Staatsanwaltschaft ergeben ein anderes Bild. Im Fahrzeug des Mannes wurden Spuren von Blut entdeckt. Auch hatte der in finanziellen Schwierigkeiten steckende Bäcker ausgerechnet am Tattag einen größeren Geldbetrag auf sein Konto eingezahlt. Und die beiden Überlebenden sollen ihn darüber hinaus in ihren Zeugenaussagen erheblich belastet haben.
Der Anklage zufolge war der Bäcker unmaskiert in die Bank eingedrungen und hatte den Bankangestellten mit einer Pistole zur Herausgabe von 33.000 Euro gezwungen. Um ihn als Zeugen "auszuschalten", habe er den 29-Jährigen dann mit seiner Waffe so "überaus heftig" geschlagen, dass dieser einen Schädelbruch erlitt. Beim Verlassen der Bank sei er dann auf das ihm bekannte Ehepaar gestoßen und habe sofort beschlossen, beide zu töten. Zunächst soll er den Mann über einen Stuhl geworfen und ihm mit aufgesetzter Pistole in den Nacken geschossen haben. Die Frau sei mit zwei gezielten Schüssen in den Kopf umgebracht worden.
Elf Verhandlungstage bis Ende Juni hat Bender für den Indizienprozess angesetzt - 43 Zeugen wurden geladen. Die ersten zwei verweigerten heute die Aussage: Die Mutter des Angeklagten ließ sich per ärztlichem Attest als "verhandlungsunfähig" entschuldigen, und seine 42-jährige Verlobte, die ihm erst nach seiner Festnahme das Eheversprechen gab, verwies auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. "In Siegelsbach herrschen noch Ruhe und Beschaulichkeit", wirbt derweil die kleine Gemeinde weiter auf ihrer Internetseite.