Mordprozess in Dresden: Die Leiche hinter der Kellerwand - DER SPIEGEL
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Mordprozess in Dresden Die Leiche hinter der Kellerwand

Viel passiert ist in dem Örtchen Lotzen nie: Die Historie der kleinen Gemeinde findet auf einer halben DINA 4-Seite Platz, 13 Familien leben hier, die meisten arbeiten im nahe gelegenen Klipphausen. Doch im Mai 2003 machte die Polizei in einem der Häuser eine grausige Entdeckung: die verweste Leiche einer Frau - eingemauert.
Von Markus Brügge
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Dresden/Klipphausen - Die frühere Bahnangestellte Eva-Maria von B. war verschwunden, seit Wochen, Monaten. Ihre Tochter hatte bei der Polizei Vermisstenanzeige gestellt, einige Tage, nachdem die 58-Jährige nicht mehr nach Hause gekommen war. Doch die Rentnerin blieb seit September 2002 unauffindbar.

In ihrem Haus im sächsischen Lotzen aber gab es einen neuen Bewohner: Der 26-jährige Falko F. zog kurz nach dem Verschwinden von Eva-Maria von B. in das Gebäude, renovierte, richtete sich ein. Die Frage nach der früheren Bewohnerin beantwortete F. immer mit derselben Antwort: Frau von B. sei verreist und habe ihm zuvor ihr Haus verkauft.

Doch diese Version mochte bald niemand mehr glauben. Zu laienhaft war der angebliche Kaufvertrag, zu widersprüchlich die Aussagen von Falko F. über den Verbleib der Frau. Zunächst aber blieben alle Durchsuchungen des zweistöckigen Hauses erfolglos. Erst die ansteigenden Temperaturen im warmen Frühling 2003 brachten die Ermittler auf die Spur.

Im Keller schlugen bei einer erneuten Durchsuchung im Mai plötzlich die Spürhunde vor einer neu eingezogenen Kellerwand an. Dahinter entdeckte die Polizei die stark verweste Leiche der Rentnerin. "Wir hatten auch vorher schon Spürhunde eingesetzt, aber der Frost hatte einen starken Verwesungsgeruch verhindert", erklärt einer der Ermittler die zunächst erfolglose Suche. An der Leiche von Eva-Maria von B. fand man Schlagverletzungen und Schusswunden, Falko F. wurde sofort verhaftet und muss sich seit Montag vor dem Landgericht Dresden wegen Mordes verantworten.

Für die Staatsanwaltschaft ist das Motiv klar: Habgier. Er soll die 58-Jährige getötet und eingemauert haben, um an das Haus und Geld zu kommen. Doch trotz drückender Indizien leugnet Falko F. bis heute die Tat. Er habe die Frau zum ersten Mal fünf Tage nach dem mutmaßlichen Todeszeitpunkt gesehen, behauptet er.

Glauben mag dem heute 27-Jährigen diese Geschichte kaum jemand. Nur seine Mutter ist von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt, ihr erzählte er im Oktober 2003 von dem neuen Haus. "Falko wäre nie in der Lage gewesen, so einen Kaufvertrag zu fälschen - der kann doch kaum seinen Namen richtig schreiben." Doch selbst der Stiefvater des Angeklagten sucht bereits nach einer Erklärung für den Mord - und nach möglichen Mittätern: "Er ist an die falschen Leute geraten. Und die haben ihn ausgenutzt."