Mordprozess Ulrike Zweifel an der Friedhof-Version des Angeklagten
Frankfurt an der Oder - Jahn wiederholte am vierten Verhandlungstag vor dem Landgericht in Frankfurt an der Oder sein Geständnis, er habe die zwölfjährige Ulrike aus Eberswalde in einem verschneiten Wald bei Werneuchen in Brandenburg vergewaltigt. Dann nannte er neue Einzelheiten zur Zeit, bevor er Ulrike erdrosselte.
Das Mädchen habe gefroren, nachdem er sich sexuell an ihr vergangen hatte. Daher habe er sie in sein Auto gesetzt und sei herumgefahren, bis die Heizung im Auto warm wurde. Sie seien am Friedhof von Werneuchen vorbeigekommen, wo Jahns Mutter beerdigt liegt. Die "Bild"-Zeitung gibt Jahn wieder, er sei mit Ulrike auf den Friedhof gegangen und habe ihr erzählt, "dass seine Mutter eine gute Frau war und dass er sie sehr lieb hatte, Vater aber böse war."
Danach habe er Ulrike nach Hause bringen wollen, sie habe jedoch geschrien. So sei er mit ihr wieder in den Wald zurückgefahren und habe sie erdrosselt.
Gregor Gysi, der Anwalt der als Nebenkläger auftretenden Eltern von Ulrike, schenkt dieser neuen Version keinen Glauben. Er wird zitiert: "Die Verletzungen durch die Vergewaltigungen waren so gravierend, dass Ulrike nur schwerlich hätte zu Fuß gehen können."
Möglicherweise versucht Jahn, nicht als gefühlloses Monster dazustehen. Erstmals zeigte er seit Beginn des Prozesses Reue. "War Scheiße, was ich gemacht habe, hätte ja nicht sein müssen", antwortete der Arbeitslose auf die Frage, was er nach dem Verbrechen empfunden habe.
Anschließend schilderte Jahn in Stakkato-Halbsätzen, dass er nach den Taten mit dem gestohlenen Auto nach Bernau fuhr und dort seine Bier- und Schnapsflaschen aus dem Wagen nahm. Dann habe er das Auto "wegen der Fingerabdrücke" angezündet. Den Turnbeutel des Mädchens habe er im Auto gelassen, weil er lediglich "an meine Sachen" gedacht habe, sagte der 25-Jährige mit gesenktem Kopf.
Das Schwurgericht begann auch mit der Vernehmung erster Zeugen. Ein 61 Jahre alter Maschinenbauingenieur schilderte, wie er das Fahrrad des Mädchens kurz nach der Tat auf einem Sandweg in der Nähe von Ulrikes Elternhaus entdeckte. Da auf dem Weg oft Müll liege, habe er sich nichts dabei gedacht. Auch ein 23 Jahre alter Arbeitsloser bemerkte, er habe das Rad zwar gesehen, ihm jedoch keine weitere Bedeutung beigemessen. "Da liegt immer was rum."
Fünf Gutachter und 28 Zeugen sollen noch beim Aufarbeiten des grausamen Geschehens vom 22. Februar helfen. Unter anderem soll geklärt werden, ob der Angeklagte zur Tatzeit eingeschränkt schuldfähig war - etwa wegen der großen Mengen Alkohol, die er nach eigener Aussage in den Stunden vor dem Zusammentreffen mit Ulrike getrunken hatte. Das Urteil wird am 1. November erwartet.