Morsleben Einsturzgefahr im Atommüllendlager?
Magdeburg - Nach Informationen des ZDF-Magazins "Kennzeichen D" könnten sich in zwei Einlagerungskammern im Südfeld bis zu 1000 Tonnen schwere Salzbrocken aus der Decke lösen und auf den dort gelagerten mittelradioaktiven Atommüll stürzen.
Fielen die Salzbrocken auf den Atommüll, könnten nach Meinung von Experten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) radioaktive Stäube in weitere Teile der Grube und möglicherweise über die Belüftung nach außen gelangen.
BfS-Präsident Wolfram König habe "Kennzeichen D" die Gefahr bestätigt: "Wir müssen nach den neuesten Erkenntnissen davon ausgehen, dass jeden Tag dieser Schadensfall eintreten kann." König habe Sofortmaßnahmen angeordnet. Unter anderem seien Teile des betroffenen Südfeldes gesperrt worden. Die Bergarbeiter und die Bevölkerung seien jeweils durch besondere Sicherheitssysteme geschützt.
Sachsen-Anhalts Umweltminister Johann Konrad Keller (SPD) sagte im "Nachrichtenradio MDR info", das BfS müsse nun schnell ein "Konzept zur Gefahrenabwehr" vorlegen. Sachsen-Anhalt habe immer immer Bedenken im Bezug auf die Sicherheit in Morsleben geäußert. Es überrasche ihn, dass nun auch das Bundesamt für Strahlenschutz die Gefahr zugebe.
Bereits Mitte 1999 waren Risse in den Decken des Südfeldes entdeckt worden. Das BFS hatte damals erklärt, von ihnen ginge keine Gefahr aus. Die Risse seien nicht ungewöhnlich für Grubenhohlräume, die seit Jahrzehnten offen stehen. In Morsleben lagern nach Angaben des Umweltministeriums 35.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Abfälle. Die Betriebsgenehmigung aus DDR-Zeiten war im Mai 1998 bis 2005 verlängert worden. Die rot-grüne Koalition hat in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, dass die Einlagerung radioaktiver Abfälle in Morsleben beendet werden solle. Im Mai hatte Bundesumweltminister Jürgen Trittin angekündigt, die dauerhafte Schließung zügig voranzubringen.