Mosambik Angst vor neuem Regen
Maputo - Dem Hochwasser sind sie entkommen und um ihr Leben brauchen die meisten von ihnen nicht mehr zu fürchten. Doch die 250.000 Mosambikaner, die in 64 Auffanglagern leben, haben immer noch Hunger, brauchen dringend Frischwasser und ärztliche Versorgung.
"Die Situation in den Lagern ist sehr schlecht", berichtete Brenda Barton vom Welternährungsprogramm (WFP) am Montag. In der Nähe von Chokwe in der Provinz Gaza leben inzwischen 45.000 Menschen, und täglich werden es mehr. Es fehlt an Unterkünften, die Obdachlosen campieren unter freiem Himmel. Deshalb sollen rasch Zelte und auch Plastikplanen in das Lager geflogen werden, aus denen sich notdürftige Behausungen herstellen lassen. Augenzeugen erzählen, dass sich die Obdachlosen um Nahrungsmittel schlagen, verdrecktes Wasser trinken und teils verrottetes Fleisch zu essen versuchen.
Drei deutsche Hubschrauber flogen am Montag erste Versorgungsflüge. Vier weitere Helikopter trafen in Maputo zusammen mit 130 deutschen Bundeswehrsoldaten und umfangreichen Hilfsgütern ein. Die deutsche Hilfsaktion wird von Beira aus vorgenommen, der zweitgrößten Stadt in Mosambik. Es werden keine Rettungseinsätze mehr geflogen, sondern Versorgungstouren mit Trinkwasser und Nahrung an Bord.
Nach Einschätzung des Notärztekomitees Cap Anamur steht das Schlimmste in Mosambik noch bevor. Der Gründer der Organisation, Rupert Neudeck, der sich zur Zeit in dem Katastrophengebiet aufhält, sagte im Info-Radio Berlin, wenn die Wassermassen zurückgingen, hinterließen sie Tausende von Tierleichen. Dies bringe eine hohe Gefahr von Seuchen mit sich, weil die Menschen kein sauberes Trinkwasser hätten. Auch nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF wächst in Mosambik die Seuchengefahr. Vor allem die Malaria breite sich rasant aus, heißt es in einer Mitteilung der Organisation vom Montag. Täglich erkranken 300 Menschen in Mosambik an Malaria. Wegen des Mangels an Trinkwasser droht der Ausbruch von Seuchen. Noch haben die Behörden die Situation unter Kontrolle, so ein Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Mosambik, Carlos Tiny. Aber die Berichte über neue Fälle von Malaria und Durchfallerkrankungen häufen sich.
Nach dem Rückgang des Hochwassers wollen viele der Obdachlosen so schnell wie möglich nach Hause. Sie wollen herausfinden, wie es um ihr Hab und Gut und um ihre Felder steht. Die Helfer haben Mühe, sie zum Bleiben zu überreden. Für Dienstag und Mittwoch sind jedoch wieder Regenfälle vorausgesagt, die eine Rückkehr verhindern würden.