Mount Morris: Die Einwohner sind fassungslos - DER SPIEGEL
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Mount Morris Die Einwohner sind fassungslos

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Mount Morris - Gepflegte kleine Vorgärten, hübsche Häuser und saubere Straßen - Mount Morris sieht so wie viele Vorstadtsiedlungen in den Vereinigten Staaten. Viele Familien sind mit ihren Kindern aus der nahe gelegenen schmutzigen Industriestadt Flint hierher gekommen. "Ich bin nach Mount Morris gezogen, weil ich dachte, es sei hier sicherer für meine Enkelkinder", erzählt Katherine Sutton. "Ich glaubte, die Dinge seien hier besser, aber das ist wohl doch nicht so." Sutton ist wie so viele der 25.000 Einwohner von Mount Morris im US-Staat Michigan schockiert. Die Schießerei, bei der ein Sechsjähriger am Dienstag ein gleichaltriges Mädchen in einer Grundschule erschoss, passt nicht in die vermeintlich heile Welt.

Earl Clinton macht die Gartenarbeit an diesem Tag sichtlich wenig Spaß. Dennoch ist er vor die Tür gegangen, um ein wenig Ablenkung zu finden. Das fällt wenige Stunden nach dem Tod der kleinen Kayla allerdings schwer. "Im Fernsehen sah die Gewalt immer nie so ganz echt aus. Das schien so weit weg von uns hier in Michigan. Ich kann einfach nicht glauben, dass so was hier passiert." Das Entsetzen und der Unglaube stehen den überwiegend wohlhabenden Einwohnern von Mount Morris ins Gesicht geschrieben. Hinzu kommt die Angst, dass die Serie von Schießereien an US-Schulen weitergeht. "Es macht mir große Angst, meine dreijährige Tochter bald zur Schule zu schicken", sagt Wanda Brauner.

An der Buell-Grundschule fällt der Unterricht am Mittwoch aus. Dort erschoss der sechsjährige Junge vor den Augen seiner Mitschüler und seiner Lehrerin das gleichaltrige Mädchen. Die Kugel traf Kayla im Genick, sie starb eine halbe Stunde später. Kayla sei immer freundlich gewesen, sie habe die ganze Zeit gelacht, sagt der Verkäufer John Williams. "Sie war einfach nur süß." Warum die Kleine sterben musste, weiß Stunden nach der Tat noch niemand. Angeblich sollen sich Täter und Opfer am Vortag auf einem Spielplatz gestritten haben. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie ginge diesen Informationen nach.

Verkäufer Williams berichtet, dass viele an der Buell-Grundschule längst nicht so unbeschwert lebten, wie es in der gepflegten Kleinstadt auf den ersten Blick den Anschein macht. Mehr als die Hälfte der Kinder, die das Schulzentrum besuchen, kommen nach Schätzungen der Behörden aus ärmlichen Verhältnissen. Die Siedlung habe zweifellos ihre Probleme, doch die könnten nicht Auslöser für eine so grausame Tat sein, erklärt Williams. Viele Menschen im Ort hätten Waffen, aber auch nicht mehr als in anderen Städten, weiß der Polizist Larry Foster.

Die Frage nach den Gründen für die Tat beschäftigt die Einwohner von Mount Morris in gleichem Maße wie die Trauer. Viele gehen am Mittwoch in die Buell-Grundschule, um am Tatort an die sechsjährige Kayla zu denken. Vor dem Eingangstor liegen Blumen und kleine Stofftiere. Polizist Foster, der die Menschen in Mount Morris kennt, vermutet, dass die Schießerei die Einwohner noch einige Zeit beschäftigen wird. "Es wird eine Wunde bleiben, die so schnell nicht verheilt. Ich glaube, dass unsere Siedlung in dieser Krise näher zusammenrückt."

Nedra Pickler