"MS Victoria"": Seeräuber geben deutschen Frachter frei - DER SPIEGEL
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"MS Victoria"" Seeräuber geben deutschen Frachter frei

Rund elf Wochen war das Schiff in der Gewalt von Entführern - jetzt ist die "MS Victoria" wieder frei: Gegen ein Lösegeld ließen die Piraten den deutschen Frachter und die elfköpfige Besatzung am Morgen von der Küste Somalias wegfahren.
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Berlin - Die Geiselhaft für die Seeleute der "MS Victoria" ist zu Ende. Heute Morgen gegen fünf Uhr Ortszeit ließ eine Gruppe von Piraten, die den deutschen Frachter, der unter einer ausländischen Flagge fährt, frei. Ein Sprecher der EU-Operation "Atalanta" bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass der Frachter bereits von der somalischen Küste weggefahren sei und Kontakt zur deutschen Fregatte "Brandenburg" aufgenommen habe. Schon bald sei ein Treffen der beiden Schiffe auf hoher See geplant.

Frachter "MS Victoria": Frei gegen Lösegeld

Frachter "MS Victoria": Frei gegen Lösegeld

Foto: A9999 DB Hasenpusch/ dpa

Die "MS Victoria" gehört der deutschen Reederei Intersee. Das 146 Meter lange Schiff fährt unter der Flagge Antiguas und Barbudas im Auftrag der deutschen Firma aus Haren an der Ems. Es war Anfang Mai von Piraten gekapert und vor die somalische Hafenstadt Eyl gebracht worden.

An Bord befinden sich elf Besatzungsmitglieder, die nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen aus Rumänien kommen sollen. Kurz nach der Entführung war die Reederei in Lösegeldverhandlungen mit den Piraten eingestiegen. Die Besatzung ist wohlauf, der Frachter wird zurzeit Richtung Dschibuti eskortiert.

Am frühen Morgen hatte die französische Nachrichtenagentur AFP verbreitet, bei dem freigelassenen Schiff handele es sich um den deutschen Frachter "Hansa Stavanger", der ebenfalls seit Monaten entführt ist. Dies wollte die Nachrichtenagentur von Piraten und Stammesangehörigen aus der Region erfahren haben. Offenbar aber handelte es sich bei den Informationen um eine Verwechslung.

Die " MS Victoria" war Anfang Mai in der Hochphase der Piratenangriffe am Horn von Afrika entführt worden. Das mit Reis beladene Schiff fuhr zwar in einem von den internationalen Kriegsschiffen organisierten Konvoi, konnte dem Angriff der Seeräuber aber wegen seiner schwachen Motorleistung nicht ausweichen. Seitdem befand sich das Schiff in der Hand von Piraten. Sicherheitskreise in Berlin gingen heute Morgen davon aus, dass die Reederei ein Lösegeld für das Schiff und die Besatzung bezahlt habe. Es wurde ein Betrag von 1,8 Millionen US-Dollar (1,3 Millionen Euro) genannt.

Noch immer in der Hand von Entführern befindet sich die "Hansa Stavanger", an Bord sind auch fünf Deutsche. Die Lösegeldverhandlungen für die "Stavanger" ziehen sich seit Wochen hin, immer wieder scheiterten in schwierigen Verhandlungen erzielte Einigungen in letzter Minute wieder.

Besatzungsmitglieder berichteten in E-Mails und Anrufen bei ihren Angehörigen von chaotischen Zuständen an Bord, demnach nehme die Brutalität der Kidnapper von Tag zu Tag zu.

Jetzt will die Ehefrau des Kapitäns die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg nach SPIEGEL-Informationen wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. "Es liegt in der Hand der Reederei, die Geiselnahme zu beenden", sagte sie. Das Unternehmen feilsche extrem hart um das Lösegeld und bewege sich nicht mehr. Firmenchef Frank Leonhardt möchte sich zu den Verhandlungen nicht äußern.

Im Streit um die richtige Taktik gegen somalische Piraten geraten Deutschlands Schiffseigner derweil auch in der eigenen Branche unter Druck. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hatte der Bundesregierung vorgeschlagen, Soldaten auf besonders gefährdeten Schiffen mitfahren zu lassen. Das Verteidigungsministerium lehnt die Idee ab. "Man kann so etwas nicht gutheißen", sagt nun auch Kapitän Karlheinz Römer vom Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere.

Die Gefahr für die Mannschaften sei bei Gefechten zu groß. Den Vorwurf des Verteidigungsministeriums, die meisten Schiffe würden nicht auf die geschützten Konvois durchs Piraten-Revier warten und sich dadurch in Gefahr bringen, kontert der VDR: Es gebe oft organisatorische Probleme bei den Konvois, und die Kommunikation mit den Kriegsschiffen sei schwierig.