München Die Wiesn hat den Blues
München - Die Zelte waren selbst eine Stunde nach der Eröffnung noch nicht voll besetzt - in anderen Jahren undenkbar. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der sonst triumphierend das "Ozapft is!" in die Welt schrie, beschränkte sich auf eine kurze Rede und wünschte eine "friedliche Wiesn".
In der bayerischen Landeshauptstadt hatte es bis zuletzt Diskussionen gegeben, ob das Volksfest nicht abgesagt werden solle. Oberbürgermeister Ude verteidigte jedoch die Austragung der Wiesn: "Es gehört zu den schönsten und besten Traditionen Münchens, auch in Zeiten der Trauer und Angst ein Zeichen des Lebensmuts und der Lebensfreude zu setzen." Nach der Rede Udes stimmte der US-Sänger Albert Humphrey den Blues "Changing Times" an.
Erstmals seit 1950 begann das Oktoberfest nicht mit dem traditionellen Anzapf-Ritual. Auch der übliche Einzug der Festwirte auf die Wies'n wurde nach den Terrorakten abgesagt. Der US- Generalkonsul in München, Robert Boehme, bedankte sich bei den Menschen in Bayern für ihre Solidarität mit den Vereinigten Staaten.
"Das Leben geht weiter", sagte in einem Bierzelt ein 27 Jahre alter US-Amerikaner aus Michigan. "Wir können nicht ständig traurig sein." Zahlreiche US-Amerikaner hatten unter dem Eindruck der Anschläge ihre geplanten Reisen zur Wiesn abgesagt.
Polizei und Beamte des Bundesgrenzschutzes werden an den 16 Wiesn-Tagen mit noch nie da gewesenen Sicherheitsmaßnahmen im Einsatz sein. An den Eingängen zu den Festhallen sollen Taschen und Rucksäcke durchsucht werden. Auch Ordner und das Wiesn-Personal wurden polizeilich überprüft.
Seine bisher dunkelste Stunde erlebte das Oktoberfest im Jahr 1980: Bei der Explosion einer selbstgebauten Bombe kamen auf der Münchner Theresienwiese 13 Menschen ums Leben. Unter den Toten war auch der Attentäter, der Rechtsextremist Gundolf Köhler. 210 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen.
Zu dem 168. Oktoberfest wurden 657 Marktkaufleute und Schausteller zugelassen, über 80 Gastronomiebetriebe bieten mehr als 150 000 Sitzplätze an. Die Mass Bier kostet um die 12,80 Mark (6,55 Euro). Das sind rund zwei Prozent mehr als im Vorjahr.