Mysteriöse Lungenkrankheit: Schon 75 SARS-Tote - DER SPIEGEL
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Mysteriöse Lungenkrankheit Schon 75 SARS-Tote

Erneut sind in China und Kanada mehrere Menschen an den Folgen der Lungenkrankheit SARS gestorben. Wegen der raschen Ausbreitung der Krankheit wollen die USA angeblich ihr diplomatisches Personal in Hongkong und China reduzieren.
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Peking/Toronto - In der von SARS schwer betroffenen chinesischen Provinz Guangdong (Kanton) sind im März neun Menschen an der Lungenkrankheit gestorben. Das teilte die Provinzregierung am Mittwoch mit, nachdem die Behörden lange über die Krankheitsausbreitung geschwiegen hatten. Damit erlagen bislang weltweit 75 Personen der Krankheit, allein 43 davon auf dem chinesischen Festland und 16 in Hongkong. 1900 Menschen sind mit dem Virus infiziert. Auch in Deutschland hat sich mindestens ein Patient mit der gefährlichen Krankheit angesteckt.

Es wird vermutet, dass sich die gefährliche Krankheit von Guangdong aus ausbreitete. Die Provinzregierung teilte mit, im März seien 361 neue Fälle von SARS registriert worden.

In Kanada starben zwei weitere Menschen an der mysteriösen Lungenkrankheit. Das teilte die Gesundheitsbehörde der Provinz Ontario mit. Die beiden Patienten hätten sich wahrscheinlich im Scarborough Grace Krankenhaus in Toronto angesteckt, wo sich Dutzende Krankenhausmitarbeiter infiziert hätten. Einer der beiden älteren Patienten sei am Montagabend, der andere am Dienstag verstorben. Die Zahl der SARS-Toten in dem nordamerikanischen Land erhöhte sich damit auf sechs. Die Zahl der an SARS Erkrankten und Verdachtsfälle hat sich nach Behördenangaben in dem Land auf 151 erhöht.

Als unbegründet erwies sich unterdessen der Verdacht auf SARS an Bord eines aus Tokio kommenden amerikanischen Flugzeuges. Keiner der fünf Insassen, die entsprechende Symptome zeigten, ist an der Lungenseuche erkrankt. Die Maschine der US-Gesellschaft American Airlines war am Dienstag auf dem Flughafen von San Jose in Kalifornien vorübergehend unter Quarantäne gestellt worden.

Auf Grund der raschen Ausbreitung der Krankheit wollen die USA nach Angaben aus US-Kreisen ihr diplomatisches Personal in Hongkong und China reduzieren. Nicht notwendig gebrauchten Mitarbeitern würden kostenlose Flüge zur Verfügung gestellt, hieß es.

Experte: Keine Epidemie in Deutschland

Der Leipziger Infektionsexperte Bernhard Ruf hat für Deutschland eine SARS-Epidemie ausgeschlossen. Die deutschen Krankenhäuser seien gut vorbereitet, sagte Ruf in der ARD. Es werde zwar eingeschleppte Fälle der Lungenentzündung geben, aber zu keinen "epidemischen Zuständen wie in Hongkong" kommen.

Die Lungenentzündung werde offenbar über Tröpfcheninfektion übertragen, aber auch das direkte Anhusten bei ungeschützten Augen könne das Virus übertragen. Deshalb sollte Krankenhauspersonal Schutzmasken tragen, die auch die Augen bedeckten. Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen SARS werde mindestens noch Monate dauern, sagte Ruf.

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