Nach dem Seebeben Tausende sind noch verschüttet
Jakarta - Der Gouverneur von Sumatra, Rizal Nurdin, rechnet damit, dass etwa 1000 Menschen durch das Seebeben ums Leben gekommen sind. Zuvor hatte es von indonesischen Behörden geheißen, es müsse mit 2000 Toten gerechnet werden.
Bewohner von Gunung Sitoli auf der wahrscheinlich am schlimmsten verwüsteten Insel Nias suchen in den Trümmern weiter nach Überlebenden. In der größten Moschee der Stadt wurden 21 Opfer aufgebahrt, in einem chinesischen Tempel lagen 20 weitere Leichen. Verwundete warteten darauf, mit Hubschraubern oder kleinen Flugzeugen nach Sumatra ausgeflogen zu werden. Wegen schlechten Wetters konnten Behördenangaben zufolge jedoch zunächst zahlreiche Flüge nicht starten. Behindert werden die Hilfseinsätze auf Nias auch durch den teilweise zerstörten Flughafen sowie beschädigte Brücken und Straßen. Auf der beschädigten Piste können derzeit nur Helikopter und kleine Flugzeuge landen.
Nach Informationen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sind mehr als 80 Prozent der Gebäude in Gunung Sitoli eingestürzt. Etwa 10.000 Menschen sollen obdachlos und Tausende noch verschüttet sein. "Gunung Sitoli ist eine tote Stadt", sagte ein Behördenvertreter. In dem Verwaltungszentrum leben 30.000 Menschen.
Neues Seebeben: Luftbilder der Katastrophe
Die Region war am 26. Dezember bereits von dem verheerenden Beben und Tsunamis verwüstet worden. Damals starben in den Ländern rund um den Indischen Ozean insgesamt rund 300.000 Menschen. Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer hatten gestern ihr Beileid bekundet. "Es ist unfassbar, dass so kurz nach der Tsunami-Flutwelle unzählige Menschen ihr Leben in einer neuerlichen Naturkatastrophe verloren haben", schrieb Köhler. Fischer bot Indonesien "praktische Hilfe" an.
Auch US-Präsident George W. Bush sprach den Angehörigen der Opfer in Indonesien sein Beileid aus und stellte rasche Hilfe beim Wiederaufbau in Aussicht. "Wir beten für sie", sagte Bush im Weißen Haus. Japan wird heute ein Notfallteam sowie Hilfsgüter wie Zelte und Decken nach Nias schicken. Der Sprecher des Uno- Kinderhilfswerks Unicef, John Budd, betonte: "Das Problem ist, überhaupt in das Katastrophengebiet zu gelangen."
Das indonesische Militär brachte Hilfsgüter und Rettungskräfte mit Hubschraubern und Kriegsschiffen in die betroffenen Gebiete. Ein Rot-Kreuz-Team mit Ärzten und Sanitätern flog nach Nias. Auch der Malteser-Hilfsdienst schickte Mediziner. Die indische Regierung bot Soforthilfe in Höhe von zwei Millionen Dollar an. Nach Angaben von Unicef werden vor allem Medikamente, Wasserbehälter, Kochgeschirr und Plastikplanen gebraucht.