Nach dem Vulkan-Inferno: Tankstelle in Goma explodierte - DER SPIEGEL
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Nach dem Vulkan-Inferno Tankstelle in Goma explodierte

Plünderer haben in der vom Vulkanausbruch verwüsteten Stadt Goma in Ostkongo versucht, Benzinvorräte aus dem Lager einer Tankstelle zu schaffen. Als der Treibstoff die Glut des Lavastroms berührte, kam es zu einer Explosion. Bis zu 100 Menschen starben.
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Goma – Zu dem Unglück kam es, nachdem 60 bis 100 Menschen versucht hatten, Benzin und Diesel aus den erhöht angebrachten Tanks abzuzapfen. Die erste Explosion ereignete sich um 8.30 Uhr Ortszeit, weitere Detonationen seien gefolgt. Mehr als eineinhalb Stunden später lag über Goma eine riesige schwarze Rauchwolke. Der Feuerball konnte noch nicht gelöscht werden. Die Tankstelle liegt in der Nähe eines der Hauptlavaströme. Die Lava war aber bereits soweit erkaltet, dass Menschen darüber laufen konnten.

Nach der schweren Vulkankatastrophe in Ostkongo sind bislang lediglich 5000 von insgesamt bis zu 400.000 Flüchtlingen in Notlagern der Hilfsorganisation eingetroffen. Trotz massiver Warnungen sind Zehntausende Menschen in die durch den Vulkanausbruch zerstörte Stadt Goma zurückgekehrt. "Wir versuchen nun, die Menschen durch Nahrungsverteilung am Straßenrand dazu zu bewegen, in die Lager zu gehen", sagte die Sprecherin des Uno-Welternährungsprogramms Laura Melo. "Wir machen ihnen klar, dass sie dort mit Wasser und etwas Essbarem versorgt werden."

Die Helfer der Uno werden nervös. Ihre Befürchtung: Schon bald könnte aus dem Chaos in den improvisierten Flüchtlingslagern und in der Stadt Goma eine Katastrophe werden. Hatten die Retter bisher vor allem vor dem Verhungern und dem Verdursten der Flüchtlinge gewarnt, rückt nun ein neues Problem in den Mittelpunkt: der mögliche Ausbruch einer Cholera-Epidemie.

Es gibt zu wenig Wasser – und das Wasser, das es gibt, ist schon verseucht oder dürfte es bald sein. "Der dramatische Mangel an Trinkwasser ist momentan das größte Problem", unterstützt ein Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) die Warnungen der Uno.

Der Vulkan hat sich am Sonntag derweil weiter beruhigt. "Die Gefahr ist zwar noch nicht besiegt, aber augenblicklich gibt es keine Anzeichen für eine bevorstehende Eruption", sagte der ruandische Vulkanologe Dieudonne Wafula. Schon breitet sich Ungeduld in den Flüchtlingslagern im ruandischen Grenzort Gisenyi aus. Tausende machten sich auf dem Heimweg ins verwüstete Goma. Der Großteil aber bereitete sich auf eine vierte Nacht in Ruanda vor. Ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne ein Dach oder eine Zeltplane über dem Kopf.

"Menschen lagen am Straßenrand und bettelten"

Die Uno hat die ersten Notlager mit Nahrungsmitteln, Decken und Plastikplanen ausgerüstet. Der größte Teil der Bedürftigen sei jedoch leer ausgegangen, berichtete ein Augenzeuge. "Menschen lagen am Straßenrand und bettelten nach etwas Essbarem."

Helfer versuchten vergeblich, die Menschen in die inzwischen errichtete Notlager zu leiten. Denn in Goma, in das viele zurückströmen, gibt es weiterhin weder Wasser noch Strom. "Einige der Flüchtlinge haben verseuchtes Wasser aus dem Kivu-See getrunken", sagte Uno-Sprecher Peter Hornsby. Der See, der ohnehin kein Trinkwasser enthalte, sei durch den Zufluss von Lava noch weiter vergiftet worden.

Opfer politischer Rivalität

Niemand weiß, wie viele Flüchtlinge in den chaotischen Verhältnissen gefangen sind. Unicef sprach am Sonntag von über 500.000 Flüchtlingen.

Der kongolesische Präsident Joseph Kabila versprach am Samstagabend die Entsendung eines Katastrophenteams aus der Hauptstadt Kinshasa nach Goma. Zum ersten Mal seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor drei Jahren würden damit Regierungsvertreter den von Rebellen regierten Osten des Landes besuchen. Das aber könnte an den Rivalitäten in dem zerrissenen Land scheitern. Ein Rebellensprecher sprach sich am Sonntag bereits gegen den Besuch aus. Hilfe sei nur über internationale Organisationen erwünscht.