Neuseeland: Hochzeit zwischen Trümmern
Nach Erdbeben Trümmerhochzeit in Neuseeland
Wellington - Es ist eine Geschichte wie aus einem Kinofilm: Ein Erdbeben zerstört eine Stadt, eine junge Frau ist unter den Trümmern begraben, ihr Verlobter sucht verzweifelt nach ihr. Schließlich wird sie gerettet, und kurz danach heiraten die beiden. Applaus, ein paar verdrückte Tränen, Vorhang.
Für Emma Howard und Chris Greenslade ist diese Geschichte keine Fiktion, sondern Realität. Am Freitag gaben sie sich in Christchurch das Jawort - nur drei Tage nachdem die neuseeländische Stadt von einem Erdbeben schwer getroffen worden war.
Howard hatte nach der Naturkatastrophe am Dienstag unter den Trümmern eines Bürogebäudes gelegen. Ihr Verlobter hatte auf seiner verzweifelten Suche andere Opfer aus dem eingestürzten Bürohaus gerettet, doch seine Frau blieb zunächst verschwunden - und wurde erst nach sechseinhalb Stunden von Feuerwehrleuten befreit. Nach ihrer glücklichen Wiedervereinigung sagten sich die beiden: "Jetzt erst recht", erzählten sie der Zeitung "The Press".
Howard und Greenslade wollten mit ihrer Hochzeit einen Triumph über die Tragödie feiern. Kaum war die Braut befreit, fragten die beiden beim Pastor der katholischen King-Kirche nach: "Können wir Freitag trotzdem heiraten?" Pastor John Adams sagte sofort zu.
Und so trat Howard noch leicht lädiert vor den Traualtar. Unter den Hochzeitsgästen war auch einer, der ebenfalls selbst unter Erdbebentrümmern gelegen hatte.
"Dies ist ein ergreifender Moment"
"Ich habe meine Braut, ich habe meine guten Freunde - ich bin ein glücklicher Mensch", sagte Greenslade. "Ich finde keine Worte", sagte seine frisch angetraute Frau.
Die Buchhalterin hatte an ihrem Schreibtisch im Pyne Gould Building gesessen, als die Erde am Dienstag um 12.51 Uhr . Sie wurde vom Stuhl geschleudert, ihr Schreibtisch krachte Minuten später unter der herunterbrechenden Decke zusammen. Fünf Kollegen wurden mit in dem Büro verschüttet.
Howard schickte einen Hilferuf per SMS an ihren Verlobten. Greenslade kam sofort. "Er dachte, er fände mich vor dem Gebäude und könnte mich gleich mit nach Hause nehmen", erzählte die Braut Reportern. Mit bloßen Händen wühlte sich Greenslade durch die Gesteinsbrocken - und befreite mehrere Eingeschlossene. Er war einer der ersten Helfer, die fotografiert wurden - mit einer verletzten Frau auf dem Arm.
"Es ist ein bittersüßer Tag", sagte der Pastor "The Press". "Ich habe erst heute morgen mit einem Mann gesprochen, der auf dem Weg zu demselben Gebäude war, um seinen kleinen Kindern zu zeigen, wo ihre Mama begraben ist. Und wir feiern die Hochzeit eines Mädchens, das ein paar Stockwerke höher gerettet wurde. Schon deshalb ist dies ein ergreifender Moment."
Behörden rechnen damit, dass bei der Naturkatastrophe mindestens 200 Menschen ums Leben kamen.