Nachbeben Indien gibt Tsunami-Warnung heraus
Hamburg - Die indische Polizei teilte mit, Nachbeben bei den Anadamanen und den Nikobaren würden "wahrscheinlich" neue Tsunamis verursachen. Auch die südindischen Bundesstaaten Kerala und Tamil Nadu waren von den Warnungen betroffen. Der Verwaltungschef der von der jüngsten Flutwelle verwüsteten Küstenstadt Nagappattinam, Veera Shanmuga Mani, sagte, innerhalb der kommenden Stunde könne eine weitere Flutwelle die Region erreichen.
Augenzeugen zufolge heulten an den Stränden von Tamil Nadu die Sirenen. Hier soll ein Ansteigen des Meeresspiegels beobachtet worden sein. Zahlreiche Menschen flüchteten in Panik an höher gelegene Orte. Ein Polizeibeamter aus Nagapattinam berichtete, er habe hunderte Flüchtlinge aus den Rettungscamps an der Küste fliehen sehen. Sie hätten verzweifelt versucht, einen Platz auf einem der Lastwagen zu ergattern, um die Region zu verlassen. Hunderte Fahrzeuge mit Hilfsgütern wurden gestoppt, Rettungskräfte angewiesen, die Stadt nicht zu betreten.
Eine Reporterin des indischen Nachrichtensenders NDTV berichtete aus Port Blair, der Hauptstadt der Andamanen und Nikobaren. Sie sprach von "unglaublicher und vollständiger Panik" auf den Straßen. Menschen um sie herum weinten. Auf dem indischen Festland wurden laut NDTV Küstenabschnitte evakuiert und Straßen von der Polizei abgesperrt. Auch dort soll Panik ausgebrochen sein.
Das Observatorium in Hong Kong hatte gestern Abend ein Seebeben der Stärke 5,7 nordwestlich von Sumatra, Indonesien, aufgezeichnet - unweit des Epizentrums des Bebens vom Sonntag. Weitere Erschütterungen wurden auch in Thailand und Birma gemeldet. Seismologen des US-Instituts Geological Survey (USGS) erklärten, ihnen sei nichts über Nachbeben bekannt, die so stark gewesen wären, dass sie eine Flutwelle hätten auslösen können. Ein solches Beben müsste mindestens die Stärke 7,5 haben, und seit Sonntag sei kein Beben in der Region registriert worden, das stärker als 7,1 gewesen sei, sagte der Seismologe John Minsch.
Infolge der Flutwelle von Sonntag rechnen die Behörden Indiens mit rund 12.500 Todesopfern. Insgesamt könnten in allen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans etwa 100.000 Menschen umgekommen sein.