Umfrage zur Nachhilfe Versagen des Schulsystems
Ein Kind schreibt ins Schulheft: Nachhilfe als wichtige Säule des Bildungssystems
Foto: Gero Breloer/ picture-alliance/ dpaGut die Hälfte der Eltern hält Nachhilfe für eine wichtige Säule des Bildungssystems. Das zeigt eine Forsa-Umfrage unter 2000 Eltern schulpflichtiger Kinder. Die Nachhilfe – privat oder durch Institutionen – ist damit für viele Familien der Normalfall. Doch das Schulsystem scheitere damit an seinem Anspruch, Kinder ohne externe Unterstützung zu bilden, sagt der Erziehungswissenschaftler Eiko Jürgens: »Lehrkräfte arbeiten im Unterricht hauptsächlich mit den stärkeren Schülerinnen und Schülern.« Das mache es für die Schwächeren besonders schwer.
SAMSON / DER SPIEGEL
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In der Befragung im Auftrag des Nachhilfeanbieters Studienkreis, den Jürgens berät, geben 62 Prozent der Eltern an, dass ihr Kind im vorigen Schuljahr unterstützt werden musste. Am häufigsten helfen demnach sie selbst oder andere Familienmitglieder. 22 Prozent sagen, ihr Kind habe im Laufe seiner Schulzeit schon kostenpflichtige Nachhilfe erhalten.
Jürgens geht davon aus, dass der Umfang professioneller Hilfe in der Realität noch deutlich höher ist: Es gebe viel informelle Nachhilfe, etwa von pensionierten Lehrkräften, oder kostenlose professionelle Nachhilfe, etwa über Sozialverbände, die bei solchen Befragungen aus dem Blick gerieten.
Jürgens fordert von der Bildungspolitik ein detailliertes Monitoring des Unterstützungssystems. »Erst dann würden wir sehen, was Schule alles nicht leistet«, sagt der Professor der Universität Bielefeld.