Nachricht des Todesschützen: "Ich bin Gott" - DER SPIEGEL
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Nachricht des Todesschützen "Ich bin Gott"

Der mysteriöse Scharfschütze, der in den USA sechs Menschen getötet und zwei verletzt hat, hinterließ womöglich erstmals eine Nachricht: "Lieber Polizist, ich bin Gott." Der Satz stand auf einer Tarot-Karte, die den Tod symbolisiert.
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Washington - Polizisten fanden die Spielkarte in einem Waldstück, etwa 150 Meter entfernt vom Eingang der Benjamin-Tasker-Mittelschule in Bowie. Dort hatte der mutmaßliche Serienmörder am Montag einen 13-jährigen Jungen niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. Die Ermittler fanden außerdem eine Patronenhülse und eine plattgedrückte Grasfläche, auf der der Schütze vermutlich auf der Lauer gelegen hatte.

Der Polizei zufolge könnte es sich bei der Tarot-Karte um die erste Nachricht des Täters überhaupt handeln. Die Behörden verweigertem nähere Angaben zu der Karte, da dies die Ermittlungen gefährden könnte. Mittlerweile gilt als sicher, dass alle acht Opfer mit demselben Gewehr niedergeschossen wurden. Bei der Waffe soll es sich um ein Präzisionsgewehr handeln, das Hochgeschwindigkeits-Projektile des Kalibers 5,56 abfeuert.

Experten untersuchten auch Bruchstücke des Projektils, das am 14. September den Angestellten eines Spirituosengeschäfts in Silver Spring schwer verletzt hatte. Wie die Behörden mitteilten, konnte die Analyse jedoch nicht klären, ob der mysteriöse Todesschütze auch für diesen Anschlag verantwortlich war. "Wir stellen keine Verbindung her, aber wir schließen sie auch nicht aus", sagte ein Ermittler gegenüber der "Washington Post".

Unterdessen kehrte die Polizei gestern an die bisherigen Tatorte zurück, um nach weiteren Hinweisen zu suchen. Mittlerweile sind 195 Ermittler im Großraum Washington mit dem Fall beschäftigt. Sie durchsuchen Archive des US-Militärs nach ausgebildeten Scharfschützen, die für die Taten in Frage kommen könnten, analysieren Waffenkäufe der vergangenen Wochen, gehen rund 1400 als glaubwürdig eingestuften Hinweisen aus der Bevölkerung nach und suchen nach Verbindungen zwischen dem Täter und den Opfern.

Der niedergeschossene 13-jährige Schüler weiterhin in einem kritischen, aber stabilen Zustand. Das zweite überlebende Opfer der Anschlagserie, eine 43-jährige Frau, die am Freitag bei einem Einkaufszentrum angeschossen wurde, konnte das Krankenhaus mittlerweile verlassen.

Experten mutmaßten, dass der Todesschütze die jetzt gefundene Patronenhülse nicht absichtlich zurückgelassen hat. "Das könnte ein Fehler des Schützen gewesen sein", sagte Robert J. Castelli, Ex-Soldat und Professor für Kriminalrecht am New Yorker John-Jay-College, der "Washíngton Post". "Die Patronenhülse liefert den Ermittlern ein weiteres Beweisstück, das einem bestimmten Gewehr zugeordnet werden könnte." Die Messinghülse könnte einen Fingerabdruck oder charakteristische Spuren der Waffe tragen.