AUSSTELLUNG Nackte Barbies
Sie wollte singen, aber hatte keine Stimme. Sie wollte schauspielern und wurde angefleht, es doch zu lassen. Als Model war ihre Nase zu krumm, als Sportreporterin stellte sie die falschen Fragen, und als Galeristin behielt sie die schönsten Bilder lieber selbst. Es schien, als gebe es im Leben keinen Platz für sie, als gebe es nur Partys, Drogen, Langeweile, aber dann, hat Bettina Rheims einmal gesagt, »schenkte mir der damalige Mann meines Lebens einen Fotoapparat, und ich begann, mich damit zu amüsieren und Frauen an- und auszuziehen wie früher meine Barbies«. Fast 30 Jahre sind seitdem vergangen, Jahre, in denen die Tochter des französischen Schriftstellers Maurice Rheims zur wohl berühmtesten Fotografin Frankreichs wurde. Hollywood-Diven und Top-Models entblätterten sich vor ihrer Kamera, Madonna, Catherine Deneuve, Kate Moss - wer etwas auf sich hielt, der kam zu ihr und »legte alles ab: die Kleidung, die Herkunft, die Geschichte und den guten oder schlechten Geschmack«. Bettina Rheims' Motive sind obszön, erotisch, provokant und manchmal skandalös, so wie jene Serie, die unter dem Namen »I.N.R.I.« das Leben Jesu in knalligen Farben in einer psychiatrischen Heilanstalt nachstellte. Diese Serie und elf weitere, darunter neue Bilder aus Shanghai, sind ab dem 21. Mai im Düsseldorfer NRW-Forum im Rahmen einer Retrospektive zu sehen.