Naltschik: Rebellen halten Geiseln in Polizeistation fest - DER SPIEGEL
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Naltschik Rebellen halten Geiseln in Polizeistation fest

Beim Angriff bewaffneter Extremisten auf die Stadt Naltschik im Kaukasus sind Polizisten in die Gewalt von Geiselnehmern geraten. Mehr als 50 Menschen kamen bei den Kämpfen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Russlands Präsident Putin hat angeordnet, alle Rebellen notfalls zu erschießen.
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Naltschik - "Der Präsident hat den Befehl erteilt, dass nicht ein Aufständischer die Stadt verlassen darf", sagte der stellvertretende Innenminister Alexander Tschekalin nach einem Treffen mit Putin. "Diejenigen, die bewaffnet sind und Widerstand leisten, sollten nach Putins Worten ausgelöscht werden", erklärte er Interfax zufolge. Bei dem Überfall der Rebellen auf Naltschik, der Hauptstadt der Kaukasusrepublik Kabardino-Balkarien, kamen Dutzende Menschen ums Leben, darunter zahlreiche Zivilisten.

An der besetzten Polizeistation bereiten sich Sicherheitskräfte darauf vor, die Geiseln zu befreien. Wie viele Polizisten in der Gewalt der Entführer sind, ist noch unklar. Die Polizisten seien in einer Polizeistation gefangen genommen worden, die Ziel der Angriffe war. Um das Kommissariat Nr. 3 herum fänden Kämpfe statt, die Sicherheitskräfte seien im Einsatz. Die allgemeine Lage sei aber unter Kontrolle, sagte der Gesandte. "Die Banditen, die heute die Sicherheitsbehörden der Stadt angegriffen haben, wurden in ihrer Gesamtheit aufgerieben. Es gibt noch zwei isolierte Brennpunkte."

Nach Angaben des Präsidenten der Region, Arsen Kanokow, sind bei den Angriffen in der Hauptstadt der kaukasischen Republik Kabardino-Balkarien rund 50 Extremisten und zwölf Zivilisten getötet worden. Das meldet die russische Nachrichtenagentur ITAR-Tass. Etwa hundert Bewaffnete hatten am Morgen einen Angriff auf Einrichtungen der Regierung und der Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Naltschik unternommen.

Die Kämpfe begannen am Morgen in einem Vorort von Naltschik und breiteten sich auf mehrere Stadtviertel aus. Die Behörden evakuierten eine Schule, die in der Nähe des Amts für Terrorismusbekämpfung und einer Polizeistation liegt. Von dem Gebäude stieg schwarzer Rauch auf. Eltern suchten auf dem Schulhof nach ihren Kindern.

Die Polizei berichtete, die Bewaffneten hätten zeitgleich drei Polizeistationen, den Flughafen und die regionalen Hauptquartiere des russischen Innenministeriums und der Sicherheitskräfte angegriffen. Weitere Ziele seien ein Militärkommissariat und ein Jagdgeschäft gewesen, wo sich die Angreifer offenbar mit Waffen versorgen wollten.

Nach einer Meldung von Interfax gelang es den Sicherheitskräften, den Angriff auf den Flughafen zurückzuschlagen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah im Stadtzentrum drei Tote liegen: einen Mann mit Polizeiuniform, einen mit einer Schusswaffe und einen in Zivilkleidung.

Noch eine Stunde nach Beginn der Kämpfe waren Schüsse zu hören. Fenster und Türen im Hauptquartier der Sicherheitskräfte des Bundes waren eingeschlagen. Scharfschützen bezogen auf dem Dach des Gebäudes Stellung, in den Straßen waren vermummte Soldaten zu sehen. Die Sicherheitskräfte riegelten weite Teile der 235.000-Einwohner-Stadt ab. Im Stadtzentrum waren Schüsse von automatischen Waffen und Granatwerfern zu hören.

Das Innenministerium erklärte, die Polizei habe einen anonymen Hinweis erhalten, dass eine Gruppe von zehn Bewaffneten in einem Vorort eingedrungen sei. Daraufhin hätten die Sicherheitskräfte eine Spezialoperation zu ihrer Ergreifung begonnen.

Die Website Kavkazcenter meldete, die sogenannte Kaukasus-Front habe sich zu dem Angriff bekannt. Die Front stehe mit tschetschenischen Rebellen in Verbindung. Ihr gehöre eine islamische Gruppe in Kabardino-Balkarien namens Jarmuk an. Die Website Kavkazcenter steht den Anhängern des tschetschenischen Rebellenführers Schamil Bassajew nahe.

Über den Hintergrund der Kämpfe spekulieren die Behörden noch. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete unter Berufung auf einen Behördensprecher, die Kämpfe seien durch die Inhaftierung von Mitgliedern der radikalen islamischen Wahhbi-Sekte ausgelöst worden. Glaubensbrüder wollten sie befreien. Der Konflikt im nahen Tschetschenien hat in Kabardino-Balkarien zu einem Erstarken islamistischer Extremisten geführt. Naltschik liegt rund 100 Kilometer nordwestlich von Beslan, wo tschetschenische Rebellen vor gut einem Jahr in einer Schule Hunderte Geiseln nahmen.