Erdbeben in Nepal: Die Überlebenden von Paslang
Bergdorf in Nepal Die Überlebenden von Paslang
Es ist nicht viel übrig geblieben, meist nur große Haufen Schutt aus Ziegelsteinen, Schlamm und Staub: Paslang, ein kleines Dorf nordwestlich von Kathmandu, liegt nicht weit entfernt vom Epizentrum des schweren Erdbebens, das Nepal am Samstag erschütterte. Paslang ist eines der Bergdörfer, die schwer getroffen wurden. Eines der Bergdörfer, die nun verzweifelt auf Hilfe warten.
Auch das Haus von Bhoj Kumar Thapa ist zerstört. Seine schwangere Frau liegt unter den Trümmern begraben, seine fünfjährige Tochter lebt - weil ihre Mutter sie gerade noch rechtzeitig ins Freie schubsen konnte. So berichtet Thapa es der Nachrichtenagentur AP. Der Soldat wurde demnach von der Armee beurlaubt, um zu trauern - einer der wenigen, die nicht in der Rettungsmission eingesetzt sind.
Wut verdrängt seine Trauer: "Nur die anderen Dorfbewohner, die auch ihre Häuser verloren haben, helfen mir", klagt Thapa. "Wir kriegen nichts von der Regierung." Ein Beamter sei gekommen, habe Fotos gemacht und sei wieder gegangen. "Ich bin wütend, aber was kann ich tun? Auch ich arbeite für die Regierung. Ich habe bei der Polizei gefragt, ob sie uns nicht ein paar Mann für Bergungsarbeiten schicken können. Aber sie hätten niemanden, sagten sie."
Das 300-Einwohner-Dorf liegt nur etwa drei Kilometer von der Stadt Gorkha entfernt, dem Hauptquartier des Bezirks, von wo die dortigen Missionen starten. Aber die Bewohner von Paslang haben keine Ahnung, wann sie mit Hilfe rechnen können. Und sie schlafen noch immer im Schlamm und teilen, was sie an Nahrung aus ihren Häusern holen können. Nachts rücken die Anwohner zusammen, um sich gegen die Kälte und den Regen zu schützen - und warten auf den Sonnenaufgang.
Der Bauer Tilak Bahadur Rana hat noch ein Blechdach über dem Kopf, aber der Regen tropft hindurch. "Ich kann ohnehin nicht schlafen, ich bin zu gestresst", sagt er, "ich mache mir Sorgen, wie ich meine Familie ernähren soll."
"Ich habe alles verloren"
In Paslang mussten sie mit ansehen, wie Nahrungsmittel mit Helikoptern in Dörfer gebracht wurden, die nur aus der Luft zu erreichen sind. Aber bei ihnen landeten die Hubschrauber nicht. Ein Mann einer Hilfsorganisation brachte am Dienstag einen Dieselgenerator - ein seltener Moment des Glücks. Die Dorfbewohner luden sogleich ihre Handys auf.
Rana sitzt auf dem Boden und trinkt Tee mit seiner Familie. "Das ganze Dorf ist zerstört. "Wir brauchen Essen, wir brauchen einen Platz zum Schlafen oder Entschädigung für alles, was wir verloren haben", sagt er.
Die Bewohner holen aus den Ruinen, was geht. Loba Thapa grub sich in den Schutt und sicherte etwas Hirse und Maisgrieß - verunreinigt mit Staub und Steinchen, aber es war alles, was der Familie zum Essen blieb. "Ich habe alles verloren. Alles ist unter den Trümmern, auch meine Kleidung", sagt der 50-Jährige.
Bei dem schweren Erdbeben sind jüngsten Angaben zufolge mehr als 5000 Menschen gestorben. Die Zahl der Opfer dürfte jedoch noch steigen. Wegen der schlechten Versorgungslage drohen Verteilungskämpfe unter den Überlebenden. Es gebe bereits vereinzelt Streitereien um Trinkwasser, berichtete das Uno-Büro für Katastrophenhilfe.
Für die Bewohner von Paslang soll es bald Hilfe geben: Das Welternährungsprogramm der Uno kündigte an, die Verteilung von Reis im Gorkha-Bezirk werde an diesem Mittwoch beginnen.