Neue Terrorwarnungen "Sie sind wieder hinter uns her!"
Washington/Jakarta - Vor dem Geheimdienstausschuss des US-Parlaments rief der CIA-Direktor George Tenet die USA zur erhöhten Wachsamkeit auf. Die Anschläge auf Bali, die Sprengstoffattacke auf einen französischen Tanker vor dem Jemen und die wiederholten Angriffe auf US-Truppen in Kuweit seien ein eindeutiges Zeichen für die wieder erstarkte al-Qaida, so Tenet. "Sie haben sich wieder gesammelt, sie sind hinter uns her, sie wollen angreifen", warnte Tenet die Ausschussmitglieder.
Auch neueste Erkenntnisse der Geheimdienstler weisen auf eine Gefahr hin, deutete Tenet an. "Das Bedrohungsumfeld ist heute so ernst wie im vergangenen Sommer", sagte der Chef der riesigen Behörde. Damit meint Tenet offenbar Informationen, die seine Agenten auf der ganzen Welt aufgeschnappt haben. Diese wiesen auf eine "verstärkte Aktivität" der Terroristen hin, berichteten US-Medien. Dazu gehören die Verhöre von gefassten al-Qaida-Mitgliedern, abgehörte Gespräche von Verdächtigen und die Überwachung von elektronischer Kommunikation via E-Mail. Details nannte Tenet jedoch nicht.
Wie schwierig die Arbeit der Schlapphüte ist, zeigen auch die Erkenntnisse vor den jüngsten Anschlägen. So erhielten CIA-Agenten Hinweise, dass Terroristen nun Anschläge gegen "wirtschaftliche Ziele" planten. Wenig später konkretisierte sich der Verdacht, als der im August gefangene Jemenit und al-Qaida-Mann Muhammad Darbi den Fahndern verraten haben soll, dass die al-Qaida einen Angriff auf einen westlichen Öltanker plane. Der Anschlag auf den französischen Tanker "Limburg" konnte jedoch mit diesen vagen Angaben nicht verhindert werden.
Hinweise auf Bali-Anschlag zu ungenau
Ähnlich diffuse Warnungen hatten die USA offenbar auch vor dem Anschlag auf Bali. So hatten CIA-Agenten Ende September aus abgehörten Gesprächen erfahren, dass eine asiatische Terrorzelle ihre Anhänger zu Anschlägen auf Touristenzentren aufgerufen habe. Als mögliches Ziel soll nach US-Medien auch Bali genannt worden sein, wo bei Bombenanschlägen am vergangenen Wochenende mindestens 189 Menschen starben. Warnungen an die indonesische Regierung jedoch blieben ohne Wirkung, außerdem wussten die CIA-Leute nicht, ob die Hinweise nicht gezielt lanciert wurden, um von anderen Planungen abzulenken.
Unterdessen laufen auf Bali die Ermittlungen so diffus ab wie zuvor. Immer mehr konzentrieren sich die lokalen Behörden nun auf Schuldzuweisungen an den radikalen Islamisten Abu Bakar Ba'asyir, der von den USA als Statthalter der al-Qaida in Indonesien verdächtigt wird. Der Führer der Islamisten-Gruppe Jemaah Islamiah, die für einen Gottesstaat in Indonesien eintreten, soll nun offenbar festgenommen werden. Einen Tag vor dem geplanten Polizeiverhör hat er nach Angaben seines Rechtsanwalts jedoch einen Schwächeanfall erlitten.
Islamistenführer bestreitet Beteiligung
Der 64-Jährige, der in Indonesien eine Koranschule betreibt, wurde am Freitag in ein Krankenhaus in der Stadt Solo gebracht. Ba'asyir hat bestritten, in die Bombenanschläge vom vergangenen Samstag verwickelt zu sein. "Wenn es Beweise gibt, dann soll man sie vorlegen", sagte er. Die USA halten Ba'asyir für höchst verdächtig, da er engen Kontakt zu dem festgenommenen al-Qaida-Mann Omar al-Faruk gehabt haben soll. Faruk hatte im Verhör angegeben, dass er sogar eine Art Befehlsvollmacht für die militärisch gedrillten Anhänger Ba'asyirs habe und auch deren Logistik für geplante Anschläge benutzt habe.
Der australische Regierungschef John Howard sagte bei einem Besuch auf Bali, neue Terroranschläge in der Region seien "sehr wahrscheinlich". Indonesische und australische Fahnder sprachen von Fortschritten bei den Ermittlungen. "Wir haben bis jetzt wichtige Zeugen. Wir haben Zeugen, die uns zu den Tätern führen werden", sagte der indonesische Chefermittler Made Mangku Pastika. "Einige könnten in die Anschläge verwickelt sein", sagte der Fahnder, ohne aber Details zu nennen.
Zur Unterstützung der Ermittlungen hat auch das Bundeskriminalamt (BKA) zwei weitere Ermittler auf die indonesische Insel geschickt. Die Beamten sollen die einheimischen Sicherheitsbehörden unterstützen und bei der Identifizierung möglicher deutscher Terroropfer helfen. Immer noch werden fünf Deutsche vermisst, mittlerweile rechnet kaum noch jemand damit, dass sie noch leben.