Neuss: Dealer nimmt Polizisten als Geisel - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Neuss Dealer nimmt Polizisten als Geisel

Ein mutmaßlicher Rauschgifthändler hat sich mit einem angeschossenen Drogenfahnder als Geisel in einem Mehrfamilienhaus verschanzt. Er hatte zwei Polizisten in seine Wohnung gelassen. Nachdem sie auf Drogen gestoßen waren, griff der Mann sie plötzlich an. Einer der Beamten konnte leicht verletzt fliehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Neuss - Der 32-jährige Geiselnehmer hat nach Angaben eines Polizeisprechers bislang keine Forderungen gestellt. Er verfügt über mindestens zwei Pistolen: seine eigene und die Dienstwaffe seines Opfers.

Die Polizei sperrte den Tatort im Neusser Norden am Mittag mit mehreren Hundertschaften weiträumig ab. Scharfschützen gingen in Stellung. Nun versuchen Polizeipsychologen, Kontakt zu dem Geiselnehmer aufzunehmen.

Begonnen hatte das Drama als Routine-Einsatz. Polizeiangaben zufolge waren zwei Beamte in Zivil am Vormittag Hinweisen nachgegangen, dass in der Wohnung des Geiselnehmers mit Drogen gehandelt werde. Dort habe der Verbrecher mit einer Schere auf einen Polizisten eingestochen, der sich aus der Wohnung retten konnte. Der andere sei mit einer Pistole angeschossen worden.

Dann wurde es zunächst ruhig um das Mehrfamilienhaus - ein stundenlanger, zermürbender Nervenkrieg begann. Mehrere hundert Uniformierte rückten an und sperrten das Viertel ab, evakuierten Nachbarhäuser. Beamte der Spezialeinsatzkommandos in schusssicheren Westen bezogen Posten, nichts rührte sich.

Tatort gilt als sozialer Brennpunkt

Die Polizei rief Großalarm aus. Polizeiautos aus ganz Nordrhein-Westfalen stehen in der Nähe des Tatorts auf fast einen Kilometer Länge aufgereiht. "Wir stellen uns auf alle Eventualitäten ein", sagte Polizeisprecher Bernd Schmutzler. Mit Flatterband und Polizeiketten halten die Einsatzleiter Schaulustige auf Distanz. Das Gebiet um den Tatort gilt als sozialer Brennpunkt.

Bei der Geisel handelt es sich den Angaben der Polizei zufolge um einen erfahrenen Beamten. Der Mann sei zwar verletzt, aber sein Zustand sei nicht lebensbedrohlich, sagte ein Polizeisprecher. Das habe man in einem Telefonat mit ihm erfahren.

Erst vor vier Monaten war eine Geiselnahme in Neuss blutig zu Ende gegangen. Damals hatte ein Sondereinsatzkommando der Polizei einen 21-Jährigen erschossen, der seine ehemalige Lebensgefährtin in seine Gewalt gebracht und gedroht hatte, sich und die Frau zu töten. Das Opfer wurde leicht am Hals verletzt, konnte aber befreit werden.