New Orleans: 50.000 warten noch immer auf Rettung - DER SPIEGEL
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New Orleans 50.000 warten noch immer auf Rettung

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Sechs Tage nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina" harren weiterhin Zehntausende Obdachlose im überfluteten New Orleans aus. Ungeachtet eines Besuchs von US-Präsident Bush in der Krisenregion reißt die Kritik am Krisenmanagement nicht ab.
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New Orleans - Nach Tagen voller Chaos, Gewalt und Entbehrung sind rund 25.000 Flüchtlinge mit Buskonvois nach Houston gebracht worden. 40.000 Einwohner von New Orleans konnten auf dem Flughafen außerhalb der Stadt in Sicherheit gebracht werden. Im Nachbarstaat Texas ist derweil eine der größten Hilfsaktionen für die verzweifelten Flüchtlinge aus der Südstaatenmetropole angelaufen.

Doch noch immer sitzen in der zum Großteil überschwemmten Stadt Tausende ohne Trinkwasser, Nahrung und medizinischer Hilfe fest, während bewaffnete Plünderer durch die Straßen ziehen. Bürgerrechtler kritisieren, dass seit Tagen das Faustrecht in der Stadt herrscht. Unter den Toten und Gestrandeten seien vor allem Arme, Schwache und Schwarze, hieß es.

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New Orleans: Verzweifeltes Warten auf Rettung

Foto: AP

"Immenses Versagen"

Mehrere schwarze Kongressabgeordnete warfen der Bush-Regierung vor, viel zu langsam auf die Katastrophe in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama reagiert zu haben. Der schleppende Beginn der Rettungsbemühungen nach dem Hurrikan "Katrina" wird nun auch ein politisches Nachspiel im US-Senat haben: Susan Collins von den Republikanern und Joseph Lieberman von den Demokraten kündigten eine gemeinsame Untersuchung an, die in der kommenden Woche beginnen soll. "Wir wollen Antworten darauf, wie es zu diesem immensen Versagen kommen konnte", hieß es gestern in einer gemeinsamen Erklärung in Washington. Es müsse geklärt werden, weshalb es an Vorbereitungen für eine solche Katastrophe und an vernünftiger schneller Hilfe gemangelt habe.

US-Präsident George W. Bush selbst hatte bei seinem gestrigen Besuch der Krisenregionen eingeräumt, die Hilfsbemühungen seien anfangs nicht akzeptabel gewesen. Allerdings habe niemand die unermessliche Tragweite der Zerstörung voraussehen können.

Nachdem er am Donnerstag in einem Radiointerview einen dramatischen Appell an die Bundesregierung geschickt hatte, hofft New Orleans' Bürgermeister Ray Nagin nach dem Besuch des Präsidenten auf eine Wendung zum Besseren. ""Unser Flehen um Hilfe hat die Aufmerksamkeit gebracht. Auch der Präsident hat es verstanden", sagte Nagin gestern Abend in der schwer beschädigten Hotellobby, in der er seinen provisorischen Krisenstab eingerichtet hat. "Ich bin vorsichtig optimistisch. Ich will sehen, dass alles getan wird, dann kann ich ein Licht am Ende des Tunnels erblicken."

Die Evakuierungen müssten abgeschlossen und das Wasser abgepumpt werden. Überdies müssten Flugzeuge Ungeziefervernichtungsmittel über der gesamten Stadt versprühen, um den Ausbruch von Seuchen durch Moskitos zu verhindern, so der Bürgermeister.

Hilfsmaßnahmen kommen in Gang

In New Orleans traf nach Tagen von Gewalt und Chaos ein Konvoi der Nationalgarde mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln ein. Das Bahnunternehmen Amtrak schickte heute Züge, um bei der Evakuierung der von den Wassermassen eingeschlossenen Menschen zu helfen. Fluggesellschaften boten ihrerseits Transportmöglichkeiten an. Nach Vereinbarung mit der US-Regierung sollen aus den überschwemmten Gebieten an der Südküste der USA rund 25.000 Hurrikan-Opfer ausgeflogen und zunächst auf einen Stützpunkt der US-Luftwaffe nach Texas gebracht werden.

Soldaten sollen außerdem die Gesetzlosigkeit, Plünderungen und Schießereien von Straßenbanden beenden. Scharfschützen bezogen auf den Dächern der Stadt Position, nachdem sich selbst die Polizei nachts nicht mehr auf die Straßen traute. Nach Angaben der Armee wird es rund 80 Tage dauern, bis das Wasser aus der Stadt gepumpt sein wird.

Das Ausmaß der Naturkatastrophe wird immer deutlicher. Mindestens 350.000 Häuser sind nach Angaben der Behörden zerstört worden. Bis zu einer Million Menschen hat ihr Zuhause verloren. Die Gesamtschäden werden inzwischen auf bis zu 100 Milliarden Dollar (80 Milliarden Euro) geschätzt.

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