New Orleans Bürgermeister ordnet Zwangsevakuierung an
New Orleans - Mit der Anordnung von Bürgermeister Ray Nagin werden Polizisten und Soldaten ermächtigt, die letzten Bewohner notfalls mit Gewalt abzuführen. Deren Zahl wird auf annähernd 10.000 geschätzt. Der Polizei-Hauptmann Marlon Defillo sagte, die Anwendung von Gewalt komme nur als allerletztes Mittel in Frage.
Er könne zwar verstehen, dass Bewohner ihre Häuser nicht im Stich lassen wollten, sagte Nagin. Der weitere Aufenthalt in New Orleans sei aber mit hohen Gesundheitsrisiken verbunden. Deshalb sollten sich alle Bürger an einen sicheren Ort bringen lassen und die Aufräumarbeiten abwarten. Das Verteidigungsministerium schickte 5000 Fallschirmjäger nach New Orleans, die die Suche nach versteckten Einwohnern verstärken sollen.
Die Arbeiten zur Trockenlegung von New Orleans kommen nur langsam voran. Bis Dienstag waren erst drei von 148 Pumpanlagen in Betrieb, um die Wassermassen aus der Stadt in den angrenzenden See Pontchartrain zu leiten. Experten einer Pioniereinheit der Armee schätzten, dass die Arbeiten bis zu drei Monate dauern könnten. "Wir müssen das Wasser aus der Stadt herausbekommen, oder der Alptraum wird andauern", sagte der Umweltminister von Louisiana, Mike McDaniel.
Nach einem Flug im Hubschrauber sagte Bürgermeister Nagin, dass nicht mehr 80 Prozent, sondern nur noch eine Fläche von etwa 60 Prozent der Stadt unter Wasser stehe. "Es gibt langsam wieder Hoffnungsschimmer", sagte Nagin. Wenn die Stadt trockengelegt sei, werde aber erst das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar werden. "Das wird schrecklich, und es wird die Nation erneut aufrütteln", fügte der Bürgermeister hinzu.
In Washington erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Sean McCormack, dass unter den Vermissten auch mehrere hundert Ausländer seien. Es sei Teil des Rettungseinsatzes, ihren Verbleib zu klären. Für den Wiederaufbau der Katastrophengebiete im Süden der USA will die US-Regierung nach Informationen aus dem Kongress 40 bis 50 Milliarden Dollar bereitstellen. Da die zunächst bereit gestellten Mittel von 10,5 Milliarden bald aufgebraucht seien, müsse weitere Vorsorge getroffen werden, sagte am Dienstag ein Sprecher der Haushaltsbehörde.
Die oppositionellen Demokraten verschärften ihre Kritik an US-Präsident George W. Bush wegen dessen Krisen-Managements nach dem Hurrikan "Katrina". Die Menschen am Golf von Mexiko seien von zwei Katastrophen heimgesucht worden, sagte die Fraktionschefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi. "Zuerst kam der Hurrikan und dann das Versagen der Bundesregierung in einer Zeit der großen Not." Pelosi kritisierte die Ankündigung Bushs, dass er persönlich die Untersuchung zu schuldhaften Versäumnissen angesichts der Naturkatastrophe leiten werde. "Er braucht nur in den Spiegel zu schauen", sagte die Politikerin. Bei einem Treffen mit Bush forderte Pelosi die Entlassung des Leiters der Katastrophenschutzbehörde Fema, Michael Brown.