New Orleans Chaotische Lage in Krankenhäusern
New Orleans - Zwei Tage nach dem Zerstörungswerk von Hurrikan "Katrina" wird die Lage für die Menschen in der Region immer bedrohlicher. Die Behörden warnen vor dem Ausbruch von Seuchen und haben inzwischen den Gesundheitsnotstand in den betroffenen Staaten an der Golfküste ausgerufen. 40 Notkliniken mit 10.000 Betten sollen eingerichtet werden. Doch die Lage in vielen Krankenhäusern von New Orleans ist schier ausweglos.
Ein Beispiel für die dramatische Situation ist die Evakuierung von 25 Säuglingen aus einer provisorischen Frühgeborenenstation der Ochsner Clinic. Die Neugeborenen, viele von ihnen an lebenswichtige Atemgeräte angeschlossen, werden per Hubschrauber und ohne ihre Eltern auf Krankenhäuser in Houston, Baton Rouge und Birmingham verteilt. Die Eltern sind gezwungen, die Stadt ohne ihre Kinder zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. "Sie mussten gehen. Sonst hätten wir im Ernstfall noch mehr Menschen hier gehabt", sagt Kinderchirurg Vince Adolph.
Die Rettungshubschrauber müssen auf dem Dach der Garage landen, weil der Hubschrauberlandeplatz überflutet ist. "Wir sind bald am Ende der Leiter angelangt", sagte Voss. Nur noch eine Rumpfmannschaft aus Ärzten und Krankenpflegern könne arbeiten.
Die Behörden versuchen, 10.000 Patienten aus neun Krankenhäusern in Sicherheit zu bringen. Die Kliniken sind selbst von Überflutungen bedroht und der Treibstoff für die Stromgeneratoren geht aus. Auf dem Dach einer Klinik im Vorort Chalmette sitzen 300 Personen fest, viele von ihnen Kranke. Und selbst während die Evakuierungen auf Hochtouren laufen strömen immer mehr Verletzte herbei.
"Tausende Menschen werden wegen der desaströsen sanitären Verhältnisse krank", erklärt Coletta Barrett vom Klinikverband Louisiana. Doch gestern werden lediglich 150 Menschen ausgeflogen, wie Knox Andress vom Rettungsstab in Shreveport erklärt. "Wir sind vorbereitet, die Menschen aufzunehmen und zu behandeln. Wir kriegen sie nur nicht raus."
Die Überlebenden des Hurrikans und der Sturmflut sind nun - vor allem in New Orleans - von Seuchen bedroht. "Das Wasser in den Straßen ist verdünntes Abwasser", erklärt Mark Sabsey, Mikrobiologe an der Universität von North Carolina. Welche Infektionen die Menschen auch immer haben mögen, die Erreger werden durch das Wasser weitergegeben. Neben Diarrhö könnten sich Hepatitis A und der Norwalk-Virus ausbreiten. "Wir sind ernsthaft besorgt über eine Cholera-Seuche oder Typhus", warnt Gesundheitsminister Michael Leavitt. Sollte das heiße Wetter anhalten, könnten in den kommenden Tagen von Moskitos übertragene Krankheiten dazukommen, etwa der West-Nil-Virus oder Dengue-Fieber.
Marilynn Marchione, AP