New Orleans Plünderer überfallen Hilfstransporte
New Orleans - "Die Plünderer nähern sich den dichter besiedelten Gebieten, Hotels und Krankenhäusern. Wir werden das stoppen", sagte Nagin. Aus New Orleans wurden Dutzende Raubüberfälle gemeldet. Die Diebe benutzten Mülltonnen und Luftmatratzen, um ihre Beute wegzuschaffen, darunter Lebensmittel, Kleidung, Fernseher und Waffen.
Ein Lastwagen mit Medikamenten für ein Krankenhaus wurde überfallen und ausgeraubt. Polizisten sagten, auf sie sei geschossen worden. Außerhalb der Stadt bedrohte eine bewaffnete Bande einen Lastwagen, der mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten beladen war. Daraufhin wurde in Gretna bei New Orleans ein Krankenhaus mit etwa 150 Patienten geschlossen. "Wir konnten die Sicherheit unserer Patienten und Mitarbeiter nicht mehr gewährleisten", sagte ein Kliniksprecher.
Anarchie im Flutgebiet: Polizei kämpft gegen Plünderer
Die 76-jährige Jeanette Brase, mit ihrem Ehemann aus Iowa zu Besuch in Louisiana, beobachtete entsetzt die Plünderungsszenen. "Das ist etwas, was man sonst nur im Fernsehen sieht", sagt die Rentnerin der Nachrichtenagentur AFP. "Das ist widerlich. Keine Ahnung, ob die Polizei das stoppen kann oder ob sie einfach zu viel zu tun hat."
Auch die aus dem britischen Brighton angereiste Sozialarbeiterin Rosemary Rimmer-Clay ist fassungslos. Es habe "ziemlich dubios" ausgesehen, wie Leute mit Tüten voll mit den verschiedensten Waren herumgerannt seien, sagt die 51-Jährige, die in Louisiana mit ihren beiden erwachsenen Söhnen ihren Urlaub verbringt. "Es war wie ein Film, und wir waren mittendrin."
Nationalgarde schreitet ein
Die normalerweise gesetzestreuen New Yorker Pädagogen Jared Wood und Erin O'Shea stahlen aus der Not heraus Lebensmittel in einem Supermarkt. "Wir haben einen Laden geplündert, weil wir kein Essen hatten und einfach etwas tun mussten", sagt Wood vor dem Hotel, in dem er und seine Freundin einquartiert waren. "Es war wirklich furchterregend da drin." Das Paar beschreibt, wie es durch die eingeschlagene Scheibe des Supermarktes einstieg und sich mit Suppen, Müsliriegeln und Sojamilch eindeckte, während andere Plünderer sich mit Mineralwasser und Bier davonmachten. Nachdem der Sturm weitgehend vorüber gewesen sei, hätten sich auf den Straßen von New Orleans in Windeseile Informationen verbreitet, wo die beste Ware abzugreifen sei. "Es war so eine Art Mundpropaganda. Wir sind einfach herumgegangen, um etwas zu finden."
Dieser Art der Selbstbedienung wollen die Behörden jetzt ein Ende bereiten. US-Präsident George W. Bush hat ein entschlossenes Vorgehen gegen die Plünderer in den Katastrophengebieten um New Orleans angekündigt. "Für Menschen, die in einer Notsituation wie dieser gegen das Gesetz handeln, gibt es null Toleranz", sagte Bush heute in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC. Bush richtete seine Warnung ausdrücklich auch gegen andere Krisengewinnler wie Wucherer und Versicherungsbetrüger. Etwa 10.000 Mitglieder der Nationalgarde haben inzwischen in gepanzerten Fahrzeugen die Stadt erreicht, um das Chaos zu bekämpfen.
Der Gouverneur von Mississippi, Haley Barbour, rief ebenfalls dazu auf, "schonungslos" mit allen Plünderern zu verfahren, derer man habhaft werde könne. "Die Wahrheit ist, dass eine schreckliche Tragödie wie diese das Beste in vielen Menschen, aber auch das Schlechteste in einigen wenigen hervorbringt", so der Gouverneur.
Bislang halten sich noch rund 100.000 der 480.000 Einwohner in New Orleans auf. Die Nationalgarde und die Küstenwache bemühten sich, die vom Wasser eingeschlossenen Bewohner aus der Luft zu versorgen. Sie ließen Körbe mit Lebensmitteln auf die Dächer fallen, auf denen einige Menschen seit Montag ausharrten. Auf einem Haus hielten zwei Kinder ein Schild in die Höhe: "Helft uns" haben sie darauf geschrieben.