New Orleans: Weniger Tote als befürchtet - DER SPIEGEL
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New Orleans Weniger Tote als befürchtet

In New Orleans läuft die Bergung der Leichen auf Hochtouren. Nach den ersten Funden erwarten die Behörden jetzt weniger Tote als bisher. Die Flüchtlinge im Astrodome bekamen indes erstmals etwas Geld für das Nötigste.
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New Orleans - Die Flutkatastrophe durch den Hurrikan "Katrina" hat nach amtlichen Angaben möglicherweise doch weniger als 10.000 Menschen das Leben gekostet. Wie heute mitgeteilt wurde, sind bei einer ersten Durchsuchung von New Orleans deutlich weniger Leichen als erwartet gefunden worden. Der Sicherheitschef des US-Heimatschutzministeriums für New Orleans, Terry Ebbert sagte, das sei ermutigend. Bürgermeister Ray Nagin hatte die Gesamtzahl von 10.000 Toten nicht ausgeschlossen.

Das Rote Kreuz händigte derweil an die ersten der in den Astrodome in Houston, Texas, geflüchteten Hurrikanopfer jeweils 2000 Dollar aus. Damit sollen sie sich jetzt mit dem Nötigsten eindecken können. Das Rote Kreuz gab das Geld in Form von Geldkarten aus. Die Karten sind an Geldautomaten und in Geschäften gültig. Die Polizei musste das Gelände des Astrodome kurz nach Beginn der Ausgabe abriegeln, weil Hunderte Flüchtlinge aus anderen Auffanglagern sich in die Schlangen eingereiht hatten.

Eine Rot-Kreuz-Sprecherin sagte, die Karten würden zunächst nur an die Flüchtlinge im Astrodome verteilt. In den kommenden Tagen sollten sie auch in den anderen Notlagern ausgegeben werden. Die US-Notstandsbehörde Fema kündigte ihrerseits die Auszahlung von ebenfalls 2000 Dollar an alle 320.000 registrierten Hurrikan-Opfer an.

Das vom US-Kongress ohne Gegenstimme bewilligte Milliardenpaket soll laut Weißem Haus vor allem für die Suche nach Vermissten, die Trinkwasserversorgung und die Verbesserung der Hygiene-Bedingungen verwendet werden. Bereits am vergangenen Freitag hatte der Kongress ein erstes Hilfspaket in Höhe von 10,5 Milliarden Dollar genehmigt. Kongressbeamte schätzten die Gesamtsumme der für die Hurrikan-Hilfe benötigten Gelder auf bis zu 200 Milliarden Dollar.

Die Evakuierung von New Orleans wurde angesichts der Seuchengefahr fortgesetzt. Die Polizei versuchte, die rund zehntausend noch widerstrebenden Bewohner zum Verlassen ihrer Häuser zu bewegen. Die Behörden kündigten an, bald würden die verbleibenden Menschen unter Zwang aus ihren Häusern evakuiert. Derzeit bringt die Nationalgarde nach eigenen Angaben täglich rund 1500 Menschen aus der Stadt. Die Zahl der offiziell bestätigten Todesfälle in New Orleans erhöhte sich auf 118. Seit dem Durchzug des Hurrikans am 29. August sind weite Landesteile im Süden der USA verwüstet. Schätzungen zufolge kamen mehrere tausend Menschen ums Leben. Die Bergung der Leichen kommt schleppend voran. Die Behörden warnen vor der Ausbreitung von Hepatitis und Wundstarrkrampf.

Bush reist erneut ins Katastrophengebiet

Nach dem Hilfeersuchen der USA unterstützt jetzt die Nato die Transporte europäischer Hilfsgüter in die vom Hurrikan "Katrina" verwüsteten Südstaatenregionen. Die Mitgliedsländer hätten am Freitag eingewilligt, teilte NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer mit. Zwei oder auch drei Schiffe könnten Hilfsgüter in die Katastrophenregion transportieren, außerdem stünden mehrere Transportflugzeuge bereit. De Hoop Scheffer sagte, die Nato wolle auf diese Weise "Solidarität mit den Opfern" zeigen.

Die USA hatten erstmals am Sonntag die Nato um Hilfe gebeten. Daraufhin wurde umgehend das Euro-Atlantic Disaster Response Coordination Center des Bündnisses eingeschaltet. Eine formelle Anfrage richtete die US-Botschafterin bei der Nato, Victoria Nuland, gestern im Nordatlantik-Rat an die Allianz. Insgesamt über neunzig Länder haben den USA inzwischen ihre Hilfe angeboten.

US-Präsident George W. Bush will am Sonntag zum dritten Mal in die Hurrikan-Region reisen. Wie sein Sprecher Scott McClellan sagte, nimmt Bush zum vierten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 zuvor an einer Gedenkzeremonie für die Terror-Opfer in Washington teil. Dann werde er nach Louisiana fliegen und voraussichtlich am Montag zurückkehren.

Ein Einsatzteam des Technischen Hilfswerks (THW) landete heute im Katastrophengebiet. Es soll nach ersten Planungen im Großraum New Orleans aktiv werden. Das hätten die insgesamt 94 Hochwasserexperten und Sanitäter kurz nach ihrer Ankunft im Katastrophengebiet mit den US-Behörden entschieden, sagte eine THW-Sprecherin in Bonn. Noch im Laufe des Tages sollten die ersten Pumpen installiert werden. Aufgabe des Teams ist es, die überfluteten Straßen der US-Metropole trocken legen zu helfen. Die dafür nötigen Pumpen wurden von der Bundesregierung auf Bitte der USA zur Verfügung gestellt.

Der Öl-Multi Shell nahm derweil seine Produktion im vom Hurrikan "Katrina" schwer getroffenen Golf von Mexiko wieder auf. In dem im Oktober beginnenden vierten Quartal werden die Plattformen und Raffinerien aber erst 60 Prozent des Vor-Sturm-Niveaus erreichen. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für mehrere Monate mit einer Beeinträchtigung der Ölförderung im Golf von Mexiko.

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