New York: Chelsea nach Explosion unter Schock - DER SPIEGEL
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Explosion in New York "Die ganze Stadt stand plötzlich auf der Straße"

29 Menschen verletzt, eins der lebendigsten Viertel der Stadt abgeriegelt: Die Explosion von Chelsea erschüttert die New Yorker. Über das Motiv des Bombenlegers wird noch gerätselt.
Explosion in New York: "Die ganze Stadt stand plötzlich auf der Straße"
Explosion in New York: "Die ganze Stadt stand plötzlich auf der Straße"

Explosion in New York: "Die ganze Stadt stand plötzlich auf der Straße"

Foto: Bryan R. Smith / AFP
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Samstagabend, halb neun im New Yorker Galerien- und Szeneviertel Chelsea. Viele Leute sind in den Straßen unterwegs, die Nacht beginnt - doch mit einem lauten Knall in der 23. Straße schlägt die Stimmung abrupt um. Eine Detonation, Schreie, wenig später die Sirenen der Krankenwagen.

29 Menschen sind bei der Explosion in Manhattan verletzt worden, davon offenbar keiner lebensgefährlich. Ein Terroranschlag? New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sagt, darauf gebe es keinen Hinweis. Doch was dann? De Blasio: "Was auch immer der Grund war - wir New Yorker lassen uns nicht einschüchtern."

In Chelsea herrscht in den folgenden Stunden Ausnahmezustand. Die Metrolinien E und F sind zwischenzeitlich unterbrochen, Polizeihubschrauber kreisen in der Luft, das Blaulicht der Rettungs- und Polizeiwagen flackert noch stundenlang durchs Viertel. New York wird von der 14. bis zur 32. Straße, zwischen Fifth und Eighth Avenue für den Verkehr gesperrt. Evakuiert wird die Gegend zwar nicht, die Einsatzkräfte empfehlen aber den Anwohnern, in ihren Wohnungen zu bleiben und sich vorerst nicht am Fenster aufzuhalten.

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Manhattan: Detonation in Chelsea

Foto: Bryan R. Smith / AFP

Die Explosion hatte sich vor einem fünfstöckigen Haus in der 23. Straße ereignet, das zwischen einem Wohngebäude und einer Kirche liegt. Fensterscheiben waren an der Hausnummer 131 zersprungen, Müll und Trümmerteile lagen danach auf dem Gehweg herum. Außerdem ein verbogener schwarzer Müllcontainer mit der Aufschrift BIC 1323. Erste Ermittlungen deuten Sicherheitskreisen zufolge darauf hin, dass die selbst gebaute Bombe darin platziert worden und hochgegangen war.

Schrammen, Schürfwunden und ein Schnellkochtopf

Metallsplitter und Glasstücke hätten Passanten unterschiedlich stark verletzt, einen davon schwer, sagt Daniel Nigro vom New York Fire Department. 24 der 29 Verletzten seien sofort mit Schrammen und Schürfwunden in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Durchs Netz gehen Bilder vom Tatort, die blutüberströmte Menschen zeigen sowie an den Absperrungen Schaulustige mit gezückten Smartphones.

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Wenige Stunden später wird vier Blocks vom Tatort entfernt, in der 27. Straße zwischen sechster und siebter Avenue, ein weiterer Sprengsatz gefunden. Es handelt sich laut CNN und "New York Times" um einen Schnellkochtopf, aus dem Drähte herausragten und der anscheinend mit einem Handy verbunden sei. Er sei nicht hochgegangen und für eine Analyse in ein Labor gebracht worden. Dort sollte er von Robotern untersucht werden.

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Während die Ermittler in ganz Manhattan nach weiteren Sprengsätzen suchen und nach dem Täter fahnden, müssen sich die New Yorker erst einmal von ihrem Schock erholen. Augenzeugen berichten davon, wie der Boden bebte, als es knallte.

Trumps Spiel mit der Angst

"Es hörte sich an, als wäre eine gigantische Stahlplatte auf die Erde gedonnert", sagt ein Passant dem Sender CBS. "Eine weiße Rauchwolke stieg auf," sagt Luke McConnell aus Colorado der "New York Times". "Da war kein Feuer, nur Rauch." Laut dem Augenzeugen Daniel Yount, 34, fühlte sich die Explosion an "wie eine Schockwelle, die durch den Körper geht".

"Ich dachte erst, ein Blitz hätte das Gebäude getroffen", sagt Ben Brooks dem Sender CNN. "Die Leute kamen aus den Restaurants gerannt, die ganze Stadt stand plötzlich auf der Straße." Das Überwachungsvideo eines gegenüberliegenden Fitnessklubs zeigt, wie Menschen nach der Explosion über den Gehweg laufen - wohl in Angst um ihr Leben.

Donald Trump, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, macht sich die Explosion von Chelsea sofort zunutze und thematisiert die Geschehnisse auf einer Wahlkampfveranstaltung in Colorado. "In unserer Welt und in unserem Land gehen schreckliche Dinge vor", sagt er auf der Bühne ins Mikrofon. Er wolle "tough und smart und wachsam" darauf reagieren. Wie, das sagt er nicht.

Auch Hillary Clinton reagiert auf die Explosion - allerdings deutlich sachlicher und nur in einem schriftlichen Statement. Sie wolle warten, bis sie mehr Informationen habe und erst dann Kommentare abgeben.

Lady Gaga: "Wir New Yorker halten zusammen"

Neben Politikern melden sich auch Popstars zu Wort. Lady Gaga sagt, sie bete "für ihre Freunde in Chelsea". New Yorker würden zusammenhalten.

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Auch die Schauspielerin und Transgender-Aktivistin Laverne Cox äußerte sich mit einem Tweet.

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Unterdessen wird über die Motive für die Tat gerätselt. Bürgermeister de Blasio spricht in einer nächtlichen Pressekonferenz von einem "vorsätzlichen Akt", sieht aber "zum jetzigen Zeitpunkt keinen Beweis für eine Verbindung zum Terrorismus". So ganz nehmen die Menschen ihm das nicht ab. "Bitte definieren Sie den Unterschied zwischen vorsätzlichen Explosionen, die mit Terror in Verbindung stehen und solchen, die nicht mit Terror in Verbindung stehen", fordert etwa eine Userin den Bürgermeister auf.

Viele Twitter-Nutzer weisen darauf hin, dass es sich bei Chelsea um ein Viertel mit besonders vielen Gay-Klubs handelt. "Bitte kein zweites Orlando", schreibt ein Twitter-User und bezieht sich damit auf das Attentat vom Juni, bei dem ein Mann 50 Menschen in einem LGBT-Nachtklub erschoss.

Was auch immer das Motiv für die Tat gewesen sein mag - getroffen hat sie eine Stadt, die durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 zwar traumatisiert sein mag, aber ihren Lebensmut nicht verliert. "Es bringt einen aus der Fassung", sagt Aiden Leslie aus Chelsea, "aber wir dürfen nicht verzagen."

jus