Nach Skandal um Musikvideo New Yorker Priester soll zwei Millionen Dollar veruntreut haben
Monsignore Jamie Gigantiello im Sommer 2022 in seiner Gemeinde in Brooklyn: »Investitionen wurden legal getätigt und kamen zurück«
Foto:Julia Demaree Nikhinson / AP
Ein pinkfarbener Cadillac, der vor einer Kirche hält. Ein Sarg mit der Aufschrift »RIP Bitch« (»Ruhe sanft, Schlampe«), dazu Puttenkerzen und bunte Kruzifixe am Altar: Der Sakralkitsch, den US-Sängerin Sabrina Carpenter im Video zu ihrem Song »Feather« auffährt, provoziert mit künstlerischen Mitteln, die Popdiva Madonna schon vor Jahrzehnten erfolgreich und um einiges ansprechender verwendet hat.
Dennoch hat es für einen kleinen Skandal gereicht. Im Oktober vergangenen Jahres wurde das Video veröffentlicht – und es hagelte Kritik. Allzu freizügig sei der Auftritt der blonden Sängerin im superkurzen Outfit mit schwarzem Schleier und High Heels gewesen, so die einhellige Meinung unter konservativen Katholiken.
Der Priester der Kirche »Our Lady of Mount Carmel« im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn habe falsch gehandelt, als er die Dreharbeiten gestattete. Der zuständige Bischof rügte den verantwortlichen Geistlichen Jamie Gigantiello und ordnete eine Untersuchung an. Sogar ein spiritueller Ritus zur Wiederherstellung der Heiligkeit der Kirche wurde zelebriert.
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Zwar bezeichnete Gigantello in einem Brief an die Gemeindemitglieder die Drehgenehmigung pflichtschuldig als Fehler. Dennoch wurde er jetzt suspendiert. Der Priester sei von »jeglicher pastoralen Aufsicht oder Führungsrolle« in seiner Kirche entbunden worden, teilte Bischof Robert Brennan in einer Erklärung der römisch-katholischen Diözese Brooklyn mit.
Doch nicht das provokante Video ist der Hauptgrund: Vielmehr soll die einjährige interne Untersuchung ergeben haben, dass Gigantiello unerlaubt Gelder an einen ehemaligen Spitzenberater in der Verwaltung des New Yorker Bürgermeisters Eric Adams transferiert habe. Gegen den Bürgermeister wird bereits wegen Bestechlichkeit und Verschleierung illegaler Wahlkampfspenden ermittelt.
Gigantiello soll insgesamt etwa zwei Millionen US-Dollar veruntreut haben.
»Ich bin betrübt, dass die Untersuchungen Beweise für schwerwiegende Verstöße gegen die Richtlinien und Protokolle der Diözese aufgedeckt haben«, sagte Bischof Brennan. »Um das öffentliche Vertrauen zu wahren und die Kirchengelder zu schützen, habe ich Bischof Witold Mroziewski zum Verwalter der Pfarrei ernannt.« Dem Vernehmen nach darf Gigantiello allerdings weiterhin Messen lesen.
Kirchliche Kreditkarte zweckentfremdet
Von 2019 bis 2021 soll Monsignore Gigantiello 1,9 Millionen Dollar an Gemeindegeldern auf Bankkonten überweisen haben, die mit Frank Carone, dem ehemaligen Stabschef von Bürgermeister Adams, verbunden seien. Gigantiello soll zudem eine kirchliche Kreditkarte für »erhebliche« persönliche Ausgaben genutzt haben, sagte Bischof Brennan.
Der Priester habe es versäumt, eine Genehmigung für die Transaktionen einzuholen und sie ordnungsgemäß zu dokumentieren. Dies sei ein Verstoß gegen die Investitionsrichtlinien und -protokolle der Diözese, so der Bischof. Bei Beträgen von mehr als 30.000 US-Dollar muss laut Vorschrift die Genehmigung des Bischofs eingeholt werden.
Jetzt haben auch Bundesermittler Vertreter der Kirche in Brooklyn vorgeladen, um Informationen über die finanziellen Transaktionen von Carone und Gigantiello zu erhalten. Der Bischof sicherte die volle Kooperation der Diözese mit den staatlichen Ermittlungsbehörden zu.
Pastaunternehmer und Promi-Freund
Gigantiello gilt als gut vernetzt und umtriebig, er zeigt sich Medienberichten zufolge gern mit Prominenten aus Politik und Gesellschaft. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit vermarktet er seine eigene Pastasoße (»himmlischer Geschmack aus Brooklyn«). Zu den Vorwürfen hat er sich bisher nicht geäußert.
Dem Internetportal »The City « sagte Gigantiello, dass es sich bei den Geldtransfers um Investitionen gehandelt habe, die seiner Gemeinde große Gewinne eingebracht hätten. »Die Investitionen wurden legal getätigt und kamen zurück«, sagte er dem Bericht zufolge. Die Anwaltskanzlei von Frank Carone soll laut Bischof Brennan inzwischen eine Million US-Dollar plus neun Prozent Zinsen zurückgezahlt haben.