New York Schlag gegen die Hafen-Mafia
Die Drohung war unmissverständlich: "Tu, was ich sage, hörst du!? Wenn du nicht willst, sag's lieber gleich. Aber dann komme ich und werfe dich aus dem Fenster!" Der Brooklyner Unternehmenschef gehorchte und zahlte das verlangte Schutzgeld. Er ist einer von zahlreichen Firmeninhabern im New Yorker Hafenviertel, die seit Jahrzehnten Schutzgeld an New Yorks berühmt-berüchtigte Hafen-Mafia zahlen.
Am Dienstag hat die New Yorker Staatsanwaltschaft den Gangstern einen schweren Schlag versetzt: Sie erhob Anklage gegen zwei Brüder des berüchtigten Banden-Chefs John J. Gotti und 15 weitere mutmaßliche Mafia-Mitglieder. Die Vorwürfe: Mit einem ausgeklügelten Erpressungssystem habe die Gangster-Bande seit Jahrzehnten das gesamte Hafenviertel kontrolliert.
Wer dort arbeiten oder sich vergnügen wollte, musste zahlen: Unternehmen, Glücksspieler, Restaurantbesitzer und sogar Hollywood-Produzenten kamen an der Mafia nicht vorbei. Das musste auch Action-Star Steven Seagal erfahren, dem die Bande 150.000 Dollar pro Film abverlangte. Anderenfalls, so die Gangster, würden die Dreharbeiten massiv gestört. Von der totalen Kontrolle in den Docks blieben selbst Gewerkschaften und Arbeiter nicht verschont. Wer im Hafen einen Job haben und behalten wollte, musste regelmäßig einen Teil seines Lohns an die Clans abführen.
-
1 Min
-
2 Min
Die Mafia habe außerdem bestimmt, wer in den Hafen-Gewerkschaften welche "Wahlfunktion" bekam. Auch heute würden Unternehmen noch immer regelmäßig Schutzgeld zahlen. Mit der Anklage habe man der organisierten Kriminalität zwar einen schweren Schlag zugefügt, von einer Beseitigung könne jedoch keine Rede sein, sagte Staatsanwalt Alan Vineguard.
Er und seine Kollegen sind überzeugt, dass die Brüder Peter, 62, und Richard V. Gotti, 59, als Bosse den Gambino-Clan befehligten. Bereits in den vierziger Jahren hätten die Mafia-Familien Gambino mit den Gotti-Brüdern an der Spitze und Genovese ihre Herrschaft über die "Waterfront" errichtet.
Nach der Festnahme der beiden Gottis ist nur noch einer von fünf Brüdern der Gangster-Familie auf freiem Fuß. John J. Gotti, der schwer krank ist, wurde 1992 wegen zahlreicher Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Inzwischen soll er von seinem Bruder Peter als Clanchef abgelöst worden sein. Auch Peter Gotti gehört zu den 17 jetzt angeklagten Bandenmitgliedern. Ein weiterer Bruder namens Gene Gotti verbüßt derzeit eine Strafe wegen Heroinhandels. John J. Gottis Sohn landete ebenfalls im Gefängnis: John A. war 1998 wegen Schutzgelderpressung zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.
Die Verteidiger erklärten, ihre Mandanten seien völlig unschuldig. Über die Höhe der zu fordernden Strafen soll noch beraten werden.