Noble Krankheiten - DER SPIEGEL
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SACHBUCH Noble Krankheiten

• aus DER SPIEGEL 18/2003
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Auch Krankheiten unterliegen Moden. Manche sind gerade »in«, andere geraten in Vergessenheit. Der Herzinfarkt zum Beispiel adelte lang den Verstorbenen, man assoziierte ihn mit Überarbeitung durch Verantwortung. Später galt er als die für Manager reservierte Krankheit. Heute, da er mehr Arbeiter als Führungskräfte ereilt, sinkt sein Image. In der Fitness-Welt mitsamt ihren Kardio-Programmen denken Aufgeklärte beim Herzinfarkt bloß noch an falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Mithin: selber schuld. Wer heute etwas auf sich hält, muss schon mit einer ausgefalleneren körperlichen Störung kommen - etwa dem Burnout-, dem Chronic-Fatigue-Syndrome oder der Vielfach-Chemikalien-Unverträglichkeit. Eine große Auswahl bietet der Arzt und Historiker Werner Bartens in seinem Buch »Was hab ich bloß?«. Bartens untersucht den gesellschaftlichen Nutzwert und Rang bestimmter Krankheiten und Diagnosen. Für Letztere vermutet er: Das Angebot an Medikamenten regelt die Nachfrage nach dazu passenden Krankheiten. Ein Buch, vor dem Pharmafirmen zittern, hatte Bartens dennoch nicht im Sinn. Er verbindet nützliche Information mit ironischer Unterhaltung, und wie die meisten Ärzte scheut er den Zynismus nicht. Unausgesprochen, aber deutlich herauszuhören ist Bartens'' nüchterne Überzeugung: Glücklich ist nur, wer nicht zum Arzt muss.

Werner Bartens: »Was hab ich bloß? - Die besten Krankheiten derWelt«. Droemer Verlag, München; 384 Seiten; 18,90 Euro.

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