Norddeutschland: Elbflut nach Fahrplan - DER SPIEGEL
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Norddeutschland Elbflut nach Fahrplan

Die Jahrhundertflut ist inzwischen eine Katastrophe mit Ansage. Anders als in vielen Gemeinden Sachsens, die durch reißende Ströme verwüstet wurden, wissen die Norddeutschen, was auf sie zukommt: Die Elbwelle rollt nach Fahrplan.
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Hamburg - Die Flut kommt - und sie wird vermutlich höher ausfallen als bislang erwartet. In Norddeutschland laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Vorsorglich werden bereits Straßen gesperrt, Ortschaften evakuiert und die Dämme erhöht. Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) warnte, die Flut könne "dramatische und nicht kalkulierbare Ausmaße" annehmen. Konkrete Vorhersagen seien gegenwärtig schwierig. "Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Für Verharmlosungen ist gegenwärtig kein Platz."

2500 Menschen sollen aus dem Amt Neuhaus im niedersächsischen Kreis Lüneburg vorsichtshalber in Sicherheit gebracht werden, erklärte ein Sprecher des Landkreises am Montag. Mit Lautsprechern und Handzetteln werden die Bürger aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und vorübergehend in öffentliche Einrichtungen umzuziehen.




Katastrophenalarm gilt seit Sonntag in den niedersächsischen Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Danneberg, im Kreis Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern und im Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. Die erste Flutwelle im niedersächsischen Schnackenburg wird Montagmittag erwartet.

Bei Dömitz (Kreis Ludwigslust) stieg das Wasser am Montag schneller als erwartet. Am Mittag wurde dort die Fünf-Meter-Marke überschritten. Zur Entlastung des Flusses sollen bei Boizenburg zwei 870 Hektar große Polder geflutet werden, kündigte Landrat Rolf Christiansen (SPD) an. Die Orte Bandekow und Gülze würden dadurch zu Inseln und müssten deshalb evakuiert werden. Sollte der Pegel die Marke von 7,30 Meter nicht überschreiten, verliefe das Hochwasser für die Region glimpflich, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Wolfgang Methling (PDS).

Sein Kabinettskollege, Innenminister Gottfried Timm (SPD), warnte davor, Säcke von den Deichen zu entwenden, um Gebäude zu sichern: "Die Polizei ist angewiesen, mit aller Härte dagegen vorzugehen." Insgesamt wurden die Schutzdeiche in der Region mit mehr als einer Million Sandsäcke verstärkt, weitere 2,5 Millionen seien bestellt. Weil die Säcke langsam zur Mangelware werden, seien Hilfe-Ersuchen an Polen und Dänemark gerichtet worden, sagte Hans Jürgen Engel, Leiter des Staatlichen Amts für Umwelt Schwerin.

Laut Umweltminister Wolfgang Methling (PDS) könnte die Region Dömitz/Boizenburg mit einem blauen Auge davon kommen, wenn der Elb- Pegel wie vorhergesagt bis maximal 7,30 Meter steigt und das Wetter schön bleibt. Der Elb-Pegel beträgt in der Region normalerweise 2,80 Meter.

Nach Angaben der Behörden wird der Pegel der Elbe noch keine bedrohlichen Ausmaße annehmen und vorerst unterhalb der Deichkrone bleiben. Überflutungen werde es erst mit der zweiten Flutwelle geben, die Mitte bis Ende der Woche erwartet wird.

Im Zusammenhang mit dem Elbhochwasser wurden in Mecklenburg-Vorpommern erstmals Straßen teilweise gesperrt. Nach Angaben der Polizei wurden 16 Straßen im Landkreis Ludwigslust vorrangig für Rettungskräfte reserviert und sind "sehr eingeschränkt nutzbar".

Mit Hochdruck arbeiten weiter Hunderte Helfer rund um die Uhr, um die Deiche zu erhöhen. Im niedersächsischen Hitzacker räumen Bewohner bereits ihre Keller leer und mauern Fenster und Türen zu. Bei Lauenburg in Schleswig-Holstein erwartet das Lagezentrum im Kieler Innenministerium am kommenden Wochenende einen maximalen Pegel von 9,80 Meter. Der Deich ist auf der schleswig-holsteinischen Seite nur 9,60 Meter hoch, auf dem gegenüber liegenden Elbufer in Niedersachsen 10,40 Meter. An den Deichen in Schleswig-Holstein werde jetzt gearbeitet, sagte ein Sprecher des Kieler Lagezentrums.