Norddeutschland: Sandsack-Bollwerke gegen die Flut - DER SPIEGEL
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Norddeutschland Sandsack-Bollwerke gegen die Flut

Nach den Rekord-Niederschlägen sinken in Niedersachsen zwar wieder die Hochwasser-Pegel. Aber die Gefahr ist noch längst nicht gebannt.
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Hannover/Horneburg - "Die Lage bleibt nach wie vor kritisch", sagte ein Sprecher des Lagezentrums des Innenministeriums in Hannover. Der Regen vom Sonntag könnte in Niedersachsen wieder zu steigenden Pegelständen führen. "Dann werden wir in den Flüssen die nächste kleine Flutwelle sehen", warnte er. Der Deutsche Wetterdienst in Hamburg kündigte für weite Teile Niedersachsens weiter starke Bewölkung, Schauer und Gewitter an. Auch für weite Teile Sachsen, Thüringens und Sachsen-Anhalts wurden Gewitter vorausgesagt.

In der in Norddeutschland am stärksten betroffenen Gemeinde Horneburg (Kreis Stade) konnte der Katastrophen-Alarm aufgehoben werden. Das Wasser der Aue sank leicht.

Tagelang kämpften die Anwohner beiderseits der Horneburger Aue gegen das Wasser. Wer keine Gummistiefel hatte, bewegte sich zeitweise nur noch barfuß und in Badehose. Während Feuerwehrleute auch am Sonntag noch immer voll gelaufene Keller leer pumpten, bewachten die Bürger ihre Bollwerke aus Sandsäcken vor den Häusern.

In der Nacht zum Sonntag waren noch etwa 300 Hilfskräfte im Einsatz. 40 Helfer des nordrhein-westfälischen Technischen Hilfswerks (THW) versuchten außerdem, an einem Sperrwerk mit drei Pumpen den Wasserstand weiter zu senken. "Wir hatten Glück im Unglück", sagte Landrat Gunter Armonat in Stade. Nach seinen Angaben gab es bei den Überschwemmungen bisher keine Opfer. Vier Feuerwehrleute wurden leicht verletzt. Die Schäden werden allein für Horneburg auf mehr als zwei Millionen Euro geschätzt.

Der Pegel der Aue sei zwar von ursprünglich 7,40 auf 7,16 Meter gesunken, teilte ein Sprecher des Katastrophenstabes am Sonntag in Stade mit. Von normalen Verhältnissen sei man aber noch weit entfernt. Der reguläre Wasserstand in der Aue betrage 5 Meter.

Dreijähriges Mädchen in Lebensgefahr

Mehrere Straßen im Land mussten aber weiterhin gesperrt bleiben, unter anderem in den Räumen Hannover, Braunschweig und im Harz. Ein dreijähriges Mädchen, das am Samstag von den Wassermassen in Hattdorf mitgerissen wurde, schwebt in Lebensgefahr. Das Kind war beim Spielen in der Nähe des elterlichen Grundstücks abgetrieben worden. Helfer fanden die Dreijährige an einer rund 300 Meter entfernten Insel mitten im Flusslauf vor der Mündung der Sieber in die Oder. Die Eltern stehen unter Schock.

In Braunschweig entkamen zwei Erwachsene und zwei Kinder knapp einem Unglück. Sie waren mit ihrem Kanu auf der Hochwasser führenden Oker gepaddelt und dabei gekentert. Sie konnten sich jedoch selbst retten.