Nordkorea: Atomprogramm verstärkt Hungersnot - DER SPIEGEL
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Nordkorea Atomprogramm verstärkt Hungersnot

Hunger, Not und keine Hoffnung: Wenige Tage, bevor in Peking sechs Länder zum zweiten Mal versuchen, die Nuklearkrise auf der koreanischen Halbinsel zu lösen, gibt es neue Schreckensmeldungen aus Nordkorea. Millionen Alte, Kranke, Schwangere und Kinder haben in den kommenden Wochen nicht genug zu essen.
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Peking - Besonders gefährlich werden der Februar und der März sein, warnte Masood Hyder, Repräsentant des Uno-Welternährungsprogramms (WFP) in Pjöngjang heute in Peking vor Journalisten: "Wir haben keine Nahrungsmittel mehr, um sechseinhalb Millionen besonders bedürftiger Menschen zu ernähren." Dies ist mehr als ein Viertel der gesamten Bevölkerung Nordkoreas.

Die Reste reichten gerade für 75.000 Schwangere und 8000 Kinder in Waisen- und Krankenhäusern. Hyder: "Wir kratzen den Boden des Fasses."

Damit würden die mühsam erreichten Fortschritte der vergangenen Jahre bei der Verpflegung wieder zunichte gemacht, klagte der Uno-Diplomat. Verschärft wird die Situation derzeit durch beißenden Frost und fehlende Heizmöglichkeiten. Deshalb sei jetzt der "schlechteste Zeitpunkt" für eine Ernährungskrise. Sie habe womöglich "nicht voraussagbare Konsequenzen".

Die letzte internationale Getreidelieferung des WFP traf im vorigen September in Nordkorea ein. Erst ab Ende März wird die nächste Lieferung von rund 77.000 Tonnen erwartet, die für die Monate April und Mai reichen dürfte. Spender sind die USA, die EU, Australien, Kanada und Norwegen. Für die Zeit danach sieht Hyder erneut eine große Nachschublücke voraus.

Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits im vorigen Jahr begann: Die Nahrungsmittelhilfe aus dem Ausland an das wirtschaftlich marode Reich des Diktators Kim Jong-Il dünnt immer mehr aus, die Zahl der Empfänger von Getreide wird beständig kleiner. Nun ist der Nachschub "erratisch" geworden, sagte Hyder. In einem Kindergarten in Mundok nördlich der Hauptstadt Pjöngjang, den die Uno früher belieferte, bekommen die Kleinen lediglich Kohlsuppe und ein wenig Reis zu essen, berichtete ein Helfer: "Sie haben nichts."

Dass Getreide ausbleibt, sei mit dem "ungünstigen politischen Kontext" zu erklären, sagte Hyder. Im Klartext: Etliche Geberländer finden, dass Pjöngjang wegen seines Atomprogramms weniger Unterstützung als früher verdiene.

Zudem sind sie über die Behinderungen der Helfer durch die nordkoreanischen Behörden erbost, die sich in den letzten Jahren nur leicht gelockert haben: Der WFP darf nach wie vor nicht alle Regionen besuchen, in den übrigen Gebieten müssen Kontrollbesuche der Helfer vorher angemeldet werden.

Derweil ist die Lage für Hunderttausende dramatisch: Viele Fabriken zahlen keine oder nur gekürzte Löhne, die Arbeitslosigkeit steigt. Gleichzeitig ziehen die Preise auf den mittlerweile erlaubten freien Märkten an.

Die meisten Bedürftigen leben in den Städten und erhalten vom Staat allenfalls 300 Gramm Reis, Brot oder Kartoffeln. Dies ist laut WFP weniger als die Hälfte, die zum Überleben notwendig ist.