Norwegischer Unglückszug Stoppsignal übersehen
Oslo - Wie aus einem Ermittlungsbericht hervorgeht, fuhren der Nahverkehrszug und der Schnellzug auf der eingleisigen Strecke vier Minuten lang aufeinander zu. Erst 35 Sekunden vor der frontalen Kollision bemerkten Mitarbeiter der Streckenüberwachung, dass der Lokführer des Pendlerzuges offenbar ein Haltesignal übersehen hatte.
Die Zeit sei zu kurz für eine Warnung gewesen, schrieb die Unfallkommission der Eisenbahnbehörde in einem am Sonntag veröffentlichten Bericht. In den vier Minuten seien die Mitarbeiter mit anderen Zügen befasst gewesen.
Die Streckenüberwachung habe dann noch versucht, den Lokführer des Nahverkehrszuges über Handy zu erreichen. Die Nummer sei aber belegt gewesen, sagte Ove Skovdal, der Vorsitzende der Kommission, der Nachrichtenagentur AP nach einer Pressekonferenz in Oslo.
Vermutlich seien die Züge zu diesem Zeitpunkt bereits zusammengestoßen. Die Handynummer des Schnellzuges sei nicht verfügbar gewesen. Skovdal wies aber darauf hin, dass Handys nicht Teil des Sicherheitskonzepts bei der norwegischen Bahn seien. Beide Züge seien mit etwa 90 Kilometern in der Stunde gefahren. An den Signalanlagen seien keinerlei Defekte festgestellt worden.
Die Zahl der Todesopfer stieg unterdessen auf 19. Am Samstag fanden Bergungsmannschaften eine weitere Leiche in den ausgebrannten Trümmern. Der Leiter der Aufräumarbeiten, Ove Osgjelten, sagte der Nachrichtenagentur NTB, er hoffe, dass es sich bei dem gefundenen Opfer um den letzten Toten des Unglücks handele. Er schloss aber nicht aus, bei den Arbeiten noch auf weitere Tote zu stoßen. Vermisst werde niemand mehr, sagte Osgjelten.
Der Unfall löste in Norwegen eine öffentliche Diskussion über die Sicherheit im Bahnverkehr aus. Die Unglücksstrecke zwischen Hamar und Trondheim ist eine von zwei Verbindungen im Land, auf der es kein ferngesteuertes Nothaltsystem gibt.