Notstand und Ausgangssperre Gespannte Ruhe in Cincinnati
Washington/Cincinnati - Die Behörden hatten das nächtliche Ausgangsverbot und den Notstand am Donnerstag nach tagelangen Rassenunruhen erklärt. Der vor einer Woche von der Polizei erschossene 19- jährige Schwarze soll beerdigt werden. Der tödliche Schuss eines weißen Polizisten auf den unbewaffneten jungen Mann hatte die Krawalle ausgelöst.
US-Regierung schickt Ermittler
Nach US-Medienberichten sandte US-Justizminister John Ashcroft am Freitag Ermittler in die Stadt, die die dortigen Polizeipraktiken überprüfen sollen. Zudem untersuchen das Bundeskriminalamt FBI und ein Gericht den tödlichen Zwischenfall auf mögliche Verletzungen von Bürgerrechten. Nach Angaben seines Sprechers Ari Fleischer rief Präsident George W. Bush die Bürger von Cincinnati zur Ruhe und zu einer gewaltfreien Lösung des Konflikts auf.
Wieder Festnahmen
Am Karfreitag hatte in der Stadt eine gespannte Ruhe geherrscht. Mehrere abendliche Gottesdienste mussten wegen der Ausgangssperre abgesagt oder verschoben werden. Wegen Verletzung des Ausgangsverbots wurden nach Polizeiangaben 26 Menschen festgenommen. Damit stieg die Zahl der Festgenommenen seit Beginn der Unruhen auf über 300. Wie die Behörden mitteilten, bat inzwischen der für Polizei und Feuerwehr zuständige Sicherheitsdirektor der Stadt aus Gesundheitsgründen um seine Versetzung.
Die Zwischenfälle hatten am vergangenen Montag begonnen. Aufgebrachte Jugendliche zündeten eine Markthalle an, plünderten Geschäfte, griffen Autofahrer an und bewarfen Polizisten mit Flaschen und Steinen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein.
Der getötete 19-Jährige war bei einer Polizei-Kontrolle geflüchtet. Ihm wurden mehrere Verkehrsvergehen und andere Delikte vorgeworfen. Ein Polizist schoss, weil er annahm, der junge Mann wolle eine Pistole zücken. Er war der fünfte Schwarze, der in den vergangenen sieben Monaten bei Polizeieinsätzen in der 300.000-Einwohner-Stadt erschossen wurde.