NRW Massenprotest gegen das Aus der Reiterstaffeln
Düsseldorf - Mit diesem Widerstand hatte Behrens nicht gerechnet, der die Abschaffung der Reiterstaffeln kurz vor Weihnachten vonstatten gehen ließ in der Hoffnung, die Aufregung würde sich über die Feiertage legen. Doch im Land, das sogar ein Pferd im Wappen trägt, wollen die Bürger nicht auf ihre berittene Polizei verzichten. Alleine im Standort Mönchengladbach kamen über 20.000 Unterschriften zusammen. In Düsseldorf und Köln, traditionell eigentlich spinnefeind, schlossen sich sogar die Karnevalisten zusammen, um die vierbeinigen Begleiter ihrer Karnevalsumzüge zu erhalten.
Während der Sprecher des Innenministeriums erklärt, die Staffeln würden immer nur durch den Wald reiten und seien eher ein Hobby für die Beamten, die anderswo im Dienst fehlen würden, halten Polizeipräsidenten ihre Pferde und Reiter für unverzichtbar im Kampf gegen Hooligans in den Stadien, oder wie in Essen auch gegen Drogendealer am Bahnhof. Auch bei den letzten Castor-Transporten waren Reiter aus NRW im Einsatz.
Die von Behrens versprochenen Einsparungen von zwei Millionen Euro sind offenbar mehr als zweifelhaft. So macht nach einer Tischvorlage seines Hauses die Miete für die 121 nordrhein-westfälischen Polizeipferde rund 1,5 Millionen Euro aus. Den Löwenanteil kassiert der landeseigene Liegenschaftsbetrieb BLB, bis zu 42.000 Euro pro Tier und Jahr. Drei der Staffeln haben private Vermieter und zahlen nur einen Bruchteil der Summe.
Dabei stehen die Kosten für die BLB-Mieten nur auf dem Papier. Wie BLB-Sprecher Dietmar Celany gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte, seien die Mieten "kostenneutral für die Ressorts, ein Nullsummenspiel." Grund dafür ist, dass der neue Landesbetrieb alle Liegenschaften neu bewertet hat und sie nach und nach zu Marktpreisen an den Mann bringen will, in der derzeitigen Umstellungsphase würden die Mieten darum nicht wirklich gezahlt. Dass jemand ernsthaft 42.000 Euro für die Unterbringung eines Pferdes auf einem alten Bauernhof in Essen zahlen würde, glaubt auch beim BLB niemand.
Am Donnerstag wollen die Reiterstaffeln ihre Unterschriften im Düsseldorfer Landtag überreichen. In der Woche darauf haben die Oppositionsparteien CDU und FDP einen Landtagsdebatte dazu beantragt. CDU-Chef Jürgen Rüttgers hat auch schon eine Idee, wie die Reiterstaffeln in Zukunft bezahlt werden können. Da sie die besten Sympathieträger der Polizei seien, könnte man bei den Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit sparen. Statt Broschüren und Plakaten Ross und Reiter.