Nürnberg: Eisbärenkindl heißt jetzt Flocke - DER SPIEGEL
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Nürnberg Eisbärenkindl heißt jetzt Flocke

Knapp 24.000 Namensvorschläge waren eingegangen, heute bekam das Nürnberger Eisbärenbaby offiziell seinen Namen: Der kleine Eisbär heißt Flocke.
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Nürnberg - Den Namen gab Oberbürgermeister Ulrich Maly bekannt, nachdem eine Jury aus Vertretern der Stadt und des Tiergartens den Namen aus Zehntausenden von Vorschlägen ausgewählt hatte. Dieser Name wurde dem weißen Fellknäuel zuvor auch schon von seinen Pflegern gegeben. Zur Diskussion standen sehr unterschiedliche Namen wie Sissi, Snowwhite oder Yuki Chan.

Maly sagte, die Jury habe sich einstimmig für den Namen entschieden, weil die Pfleger "die engste Beziehung zu dem Tier" hätten und ihn so bereits gerufen hatten. Bei der Namensgebung habe man auch markenrechtliche Aspekte geprüft. Flocke sei eine Botschafterin und Sympathieträgerin für die Stadt, sagte der Oberbürgermeister. Nürnberg werde bei der Vermarktung maßvoll vorgehen und es werde keine "maximale Vermarktung" geben. Ende März oder Anfang April könne die kleine Eisbärin der Öffentlichkeit voraussichtlich erstmals gezeigt werden.

Am 8. Januar hatte Eisbärweibchen Vera das mittlerweile knapp fünf Wochen alte Jungtier erstmals aus seiner Höhle getragen. Dabei ist ihr das Kleine mehrmals heruntergefallen. Nach Angaben der Zooleitung reagierte das Muttertier darauf verstört und hektisch. Der Nürnberger Zoo hat sich deswegen dafür entschieden, das Baby von seiner Mutter zu trennen und in Handaufzucht großzuziehen, wie dies mit dem Berliner Eisbären Knut geschehen war.

Das Tier wiegt nach Angaben von Tiergartenchef Dag Encke mittlerweile 2950 Gramm. Die Körpertemperatur sei normal. "Die Mitarbeiter gehen davon aus, dass weiterhin keine Komplikationen auftreten werden", sagte Encke.

Scharfe Kritik am Umgang des Zoos mit den Medien kam derweil von der Tierrechtsorganisation PETA. Die Verantwortlichen hätten zurückhaltender informieren und den Eisbärenmüttern so ihre Ruhe sichern müssen, sagte Zookritiker Frank Albrecht. Weil das Gehege nicht abgesperrt wurde, hätten die Eisbärinnen so nervös reagiert.

Die Herausnahme des letzten verbliebenen Jungtieres sei dennoch überstürzt gewesen. "Man hätte das Jungtier bei der Mutter lassen und notfalls auch sterben lassen sollen", sagte Albrecht. Doch der Zoo sei unter politischem Druck eingeknickt. Er wandte sich grundsätzlich gegen die Eisbärenhaltung im Zoo.

Beide Tiere seien schwer verhaltensgestört. Sie liefen nervös auf und ab und verdrehten dabei immer wieder den Kopf. Auch für das von Hand aufgezogene Jungtier seien Psychosen zu erwarten. So sei der Berliner Eisbär Knut schon derart auf männliche Besucher geprägt, dass er zu einem normalen Sozialverhalten unter Eisbären gar nicht mehr fähig sei. "Alle Handaufzuchten werden Problembären", warnte Albrecht.

Tiergartendirektor Dag Encke wies die Kritik der Tierrechtler als zu pauschal zurück. Eisbärin Vilma, die ihre beiden Babys aufgefressen hatte, gehe es bereits wieder sehr gut. Nur Vera, die Mutter des nun per Flasche ernährten Weibchens, reagiere noch argwöhnisch, wenn Trubel vor ihrem Gehege entstehe. "Aber manchmal haben wir sowieso den Eindruck, dass unsere Tiere zu stressarm leben", sagte Encke: "Die brauchen hin und wieder einen Adrenalinstoß."

jjc/jdl/dpa/ddp/Reuters